Medical Tribune
27. Mai 2023Schutzschirm für Patienten

Supportivtherapie früher ins Management fortgeschrittener GU-Tumoren integrieren

Eine supportivmedizinische Begleitung sollte Bestandteil jeder Krebstherapie sein, doch Erkrankte mit urogenitalen Tumoren in fortgeschrittenen Stadien erhalten diese nur selten. Warum die frühe Integration wichtig ist und was diese in der klinischen Rea­lität oft verhindert.

Illustration eines Regenschirms, der den Regen aufhält.
Astrolounge/GettyImages

Onkologische Supportivtherapie meint das Management von belas­tenden Symptomen des Tumors und seiner Behandlung über das gesamte Krankheitskon­tinuum hinweg. Das betont Dr. ­Florian ­Scotté, Institut Gustave Roussy, Villejuif am 38. jährlichen EAU-Kongress (1). Menschen mit fortgeschrittenen urogenitalen Tumoren erhalten dabei nur selten supportive Massnahmen, wie eine retrospektive Kohortenstudie ergab.

Patienten mit Blasenkrebs am schlechtesten versorgt

In diese flossen die Daten von 76.016 Personen mit Blasen-, Nieren-, Penis- oder Prostatakarzinom im Stadium IV der US-amerikanischen National Cancer Database ein. Am schlechtesten versorgt waren jene mit fortgeschrittenem Blasenkrebs. Nur 12,5 Prozent erhielten symptomlindernde Behandlungen gegenüber 19,9 Prozent der Erkrankten mit fortgeschrittenen Nierenzell­tumoren.

Als einen möglichen Grund für die supportivmedizinischen Defizite im Zuge des Managements meta­stasierter GU-Tumore nannte Dr. Scotté u.a. Missverständnisse bezüglich der Bedeutung des Begriffs «palliative Therapie». Diese diene generell der Symptomlinderung und meine nicht notwendigerweise die Versorgung am Lebensende.

Dieses Missverständnis sei auf Seiten von Ärzten und Patienten gleichermassen zu beobachten und führe dazu, dass supportive Massnahmen nicht vorgeschlagen werden, ihnen mit Ablehnung begegnet wird, und man ihnen mit therapeutischer Aussichtslosigkeit assoziiert.

Besonders wichtig sei eine frühzeitige Integration der Konzepte, sagt Dr. Scotté. Die Metapher «Palliative Care Is the Umbrella, Not the Rain» vermittle Patienten und Ärzten diesen Sachverhalt besonders eindrücklich. Die antitumorale und supportive Behandlung müssten unbedingt kombiniert werden. Auch die ESMO fordert die Integration einer personalisierten und evidenzbasierten Supportiv- und Palliativtherapie Krebserkrankter von der Diagnose bis zum Lebensende bzw. bis zur Heilung.

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