Medical Tribune
4. Aug. 2026Wenn die Psychose eine Enzephalitis ist

Von somatischer Erkrankung zu sekundärer psychotischer Störung

Sekundäre psychotische Störungen können durch eine Reihe körperlicher Krankheiten entstehen, die das Gehirn der Betroffenen in Mitleidenschaft ziehen. Sie lassen sich, je nach Auslöser, in verschiedene Typen unterteilen.

Frau mit psychischer Störung
DavisShared/peopleimages.com/stock.adobe.com

Es gibt kaum Studien zur Prävalenz sekundärer psychotischer Störungen. In der S3-Leitlinie Schizophrenie wird die Häufigkeit organischer Psychosen mit 5 % beziffert, es gibt aber kaum Studien, berichtete Prof. Dr. Ludger­ Tebartz­ van­ Elst­ vom Universitätsklinikum Freiburg. Die dia­gnostischen Kriterien für eine «psychotische Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors» nach DSM-5 erfordern:

  1. prominente Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
  2. Hinweise aus der Vorgeschichte, aus körperlichen Untersuchungen oder aus Laborbefunden, die zeigen, dass das Störungsbild eine direkte pathophysiologische Folge einer organischen Krankheit ist
  3. die Symptome dürfen nicht besser durch eine andere psychische Störung erklärt werden
  4. das Störungsbild tritt nicht ausschliesslich im Verlauf eines Delirs auf und verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leid

Der zweite und dritte Punkte seien allerdings «interpretationsoffen», merkte Prof. Tebartz van Elst an. Insbesondere sei nicht spezifiziert, wie gründlich man bei einer neu auftretenden Psychose nach anderen denkbaren Kausalursachen suchen müsse. «Red flags» seien aber z. B. eine neuropsychiatrische Symptomatik (s. Kasten) und eine hartnäckige Therapieresistenz.

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