Von somatischer Erkrankung zu sekundärer psychotischer Störung
Sekundäre psychotische Störungen können durch eine Reihe körperlicher Krankheiten entstehen, die das Gehirn der Betroffenen in Mitleidenschaft ziehen. Sie lassen sich, je nach Auslöser, in verschiedene Typen unterteilen.

Es gibt kaum Studien zur Prävalenz sekundärer psychotischer Störungen. In der S3-Leitlinie Schizophrenie wird die Häufigkeit organischer Psychosen mit 5 % beziffert, es gibt aber kaum Studien, berichtete Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst vom Universitätsklinikum Freiburg. Die diagnostischen Kriterien für eine «psychotische Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors» nach DSM-5 erfordern:
- prominente Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
- Hinweise aus der Vorgeschichte, aus körperlichen Untersuchungen oder aus Laborbefunden, die zeigen, dass das Störungsbild eine direkte pathophysiologische Folge einer organischen Krankheit ist
- die Symptome dürfen nicht besser durch eine andere psychische Störung erklärt werden
- das Störungsbild tritt nicht ausschliesslich im Verlauf eines Delirs auf und verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leid
Der zweite und dritte Punkte seien allerdings «interpretationsoffen», merkte Prof. Tebartz van Elst an. Insbesondere sei nicht spezifiziert, wie gründlich man bei einer neu auftretenden Psychose nach anderen denkbaren Kausalursachen suchen müsse. «Red flags» seien aber z. B. eine neuropsychiatrische Symptomatik (s. Kasten) und eine hartnäckige Therapieresistenz.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V (DGPPN) Kongress 2025