Medical Tribune
27. Jan. 2026Was die neuen MS-Kriterien für die Praxis bedeuten

Die Multiple Sklerose früher diagnostizieren und gezielter behandeln

Eine Multiple Sklerose lässt sich heute früher erkennen und gezielter behandeln als je zuvor. Die 2025 überarbeiteten Diagnosekriterien verschieben zentrale Schwellen – mit unmittelbaren Konsequenzen für Abklärung, Therapie und Monitoring. Dr. Zina-Mary Manjaly, Schulthess Klinik und ETH Zürich, gab am FomF-Refresher ein Update.

Doctor examining MRI images of patient with multiple sclerosis at table in clinic, closeup
 New Africa/stock.adobe.com
Nach den revidierten McDonald-Kriterien 2025 kann die MS unter bestimmten Bedingungen formal auch ohne klinische Symptome diagnostiziert werden.

«Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems und die häufigste, die bei jungen Menschen zur Behinderung führt», erklärt Dr. Manjaly. «Im Praxisalltag werden Hausärzte Patienten mit MS immer wieder begegnen.» Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Breite klinische Präsentation, oft subtile Erstzeichen

Bis zu 90 % der MS-Patienten leiden an der schubförmigen Form (relapsing-remitting MS, RRMS). Die Erstdiagnose erfolgt typischerweise um das 30. Lebensjahr. Klassisch erholen sich die Betroffenen zu Beginn dabei meist vollständig von den Schüben. «Später bleiben aber oft Residuen zurück», so Dr. Manjaly. Bei einigen Betroffenen geht die RRMS zudem in eine sekundär progressive Verlaufsform über. Dabei kommt es schubunabhängig zur Akkumulation von Defiziten.

Rund 10 % der Erkrankten weisen eine primär progressive MS (primary progressive MS, PPMS) auf. Die Diagnosestellung findet bei ihnen meist erst um das 40. Lebensjahr statt. «Das liegt auch daran, dass die PPMS oft mit weniger eindeutigen Symptomen einhergeht: Patienten haben anfangs oft subtile, eher untypische Anzeichen wie Gang- oder Koordinationsstörungen – da gestaltet sich die Diagnostik oft schwieriger», führt die Expertin aus.

Klinische Präsentation und Diagnose

Zu den klassischen klinischen Präsentationen einer MS gehören:

  • Optikusneuritis (Entzündung des Sehnervs) mit akuter, meist einseitiger Visusverschlechterung mit eingeschränktem Farbensehen sowie Augenbewegungsschmerz
  • Hirnstamm- bzw. Kleinhirnsyndrome, z. B. Doppelbilder, Nystagmus, Ataxie oder Hemihypästhesie des Gesichts
  • Rückenmarksyndrome, meist sensorische Störungen, z. B. Sphinkter-Probleme oder Lhermitte-Zeichen

«Gleichzeitig präsentiert sich MS gelegentlich nicht nur ‚hart‘ somatisch, sondern wird schon in frühen Phasen von Entzündungszeichen begleitet», führt Dr. Manjaly aus. So berichten Patienten zum Diagnosezeitpunkt oft von einer bereits länger bestehenden Fatigue. Auch kognitiv-behaviorale Symptome und depressive Episoden sind häufig.

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