Medical Tribune
9. März 2026Von Hyperemesis bis HELLP-Syndrom

Was hinter erhöhten Leberwerten in der Schwangerschaft stecken kann

Es gibt verschiedene Wege, wie eine Schwangerschaft die Lebergesundheit beeinflusst. Oft sind erhöhte Leberwerte harmlos, doch manchmal droht Gefahr für Mutter und Kind. Die Unterscheidung erfordert präzise Diagnostik und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Schwangere Frau mit Juckreiz am Bauch
chajamp/stock.adobe.com
Starker Juckreiz, besonders an Handflächen und Fusssohlen, ist das Leitsymptom der intrahepatischen Schwangerschaftscholestase, die meist im späten zweiten oder frühen dritten Trimester auftritt.

Bei 3 % aller Schwangerschaften steigen die Leberwerte an. Zwei Drittel dieser Fälle beruhen dabei auf schwangerschaftsspezifischen Hepatopathien, die sich nach der Geburt meist vollständig zurückbilden.

Um die Ursache zu klären, müssen auch andere Lebererkrankungen ausgeschlossen werden, etwa hepatobiliäre Störungen (z. B. Gallensteine, Budd-Chiari-Syndrom), Infektionen wie Hepatitis E oder vorbestehende Erkrankungen wie Autoimmunhepatitis oder Fettleber.

Hyperemesis gravidarum

Diese schwere Form des Schwangerschaftserbrechens tritt meist im ersten Trimenon auf und kann die Transaminasen erhöhen. In der Regel klingen die Symptome dabei bis zur 20. Schwangerschaftswoche ab. Jede zehnte Betroffene entwickelt einen Ikterus. Bleiben die Beschwerden bestehen, sollte eine Oberbauchsonografie eine biliäre Obstruktion ausschliessen. Die Behandlung umfasst Antiemetika und Massnahmen wie Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich sowie die Vermeidung von Mangelernährung.

Intrahepatische Schwangerschaftscholestase

Die intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP) tritt typischerweise im späten zweiten oder frühen dritten Trimester auf. In Mitteleuropa liegt die Häufigkeit bei 0,1–1 %. Alle Betroffenen leiden an starkem Juckreiz, vor allem an Handflächen, Fusssohlen und Rücken, der sich nachts verschlimmert. Ausserdem können Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchschmerzen hinzukommen. Ein Viertel der Fälle entwickelt einen Ikterus.

Zwei bis vier Wochen nach Beginn des Juckreizes steigen Gallensäuren, ALT, Bilirubin und/oder AP an. Auch hier sollte eine biliäre Obstruktion ausgeschlossen werden. Ursodeoxycholsäure (off-label) hat sich als wirksam erwiesen. Darüber hinaus müssen Mutter und Kind engmaschig überwacht werden. Bei mildem Verlauf empfiehlt sich die Geburtseinleitung in der 38. Woche, bei schwerem Verlauf mit Ikterus und Gallensäuren > 100 mmol/l bereits in der 36. Woche.

Um den Inhalt zu sehen, müssen Sie sich einloggen oder registrieren.