Medical Tribune
15. Feb. 2014Mammakarzinom

Mit Bewegung dem Krebs trotzen

Die meisten Untersuchungen zur Sport- und Bewegungstherapie bei Krebspatienten liegen für das Mammakarzinom vor. Einer Analyse zufolge reduziert körperliche Aktivität nach dem Auftreten der Erkrankung die Gesamtsterblichkeit um 41 % und die krebsspezifische Sterblichkeit um 34 %. Waren die Frauen schon vor der Diagnose aktiv, sank ihre Gesamtsterblichkeit um 18 % und das Rezidivrisiko um 24 %.

Drei Stunden Walking in der Woche bringt schon was

Voraussetzung für diese Effekte ist ein Aktivitätsniveau, das dem Energieverbrauch von mindestens drei Stunden moderatem Walking in der Woche entspricht, schreiben Dr. 
Joachim Wiskemann vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen im Universitätsklinikum Heidelberg. Von sportlichen Aktivitäten profitieren auch Frauen, die vor der Krebsdiagnose eher zu den Couchpotatoes gehörten.

Zum Kolonkarzinom liegen vier Studien vor. Sie belegen eine relative Risikoreduktion der Gesamtsterblichkeit um 57 % und der krebsbedingten Mortalität um 61 %. Allerdings mussten die Teilnehmer dafür im Vergleich zum Mammakarzinom etwa doppelt so viel Aktivität aufbringen.

Nach der "Health Professionals Follow-up Studie" lässt sich bei Patienten mit Prostatakrebs die Gesamtmortalität um 49 % und die krebsspezifische Sterblichkeit um 61 % reduzieren. Auch die Tumorprogressionsrate lag bei körperlich aktiven Männern um 57 % niedriger. Voraussetzung für den Effekt sind mehr als 90 Minuten anstrengenden Trainings pro Woche.

Sport - Sterblichkeit wird reduziert und Lebensqualität gesteigert

Auch als Begleitmassnahme zur Krebstherapie standen Ausdauer- und teils auch Krafttraining auf dem Prüfstand – meist bei Patienten mit einem Mamma- oder Prostatakarzinom. Als positive Effekte fanden sich in Studien beispielsweise:

• Aufrechterhaltung der körperlichen Fitness auch während der Therapie
• mehr Lebensqualität, weniger Fatigue und psychische Veränderung (Ängstlichkeit, Depressivität)
• höhere Chancen auf vollständiges Durchlaufen der Chemotherapie bei Brustkrebs
• geringerer Verbrauch von weniger Thrombozytenkonzentraten bei hämatologischen Erkrankungen
• bei Mammakarzinom-Patientinnen günstiger Effekt auf Armlymphödem und Knochendichte unter Aromatasehemmern

Für spezielle Empfehlungen genügen die Daten noch nicht. Ideal scheint moderate Aktivität an drei bis fünf Tagen pro Woche für mindestens 30 Minuten oder ein intensives Fitnessprogramm (mindestens 20 Minuten dreimal in der Woche).

Mit niedrigen Abwehrzellen nicht ins Schwimmbad

Vor dem Trainingsstart sollte die vollständige Narbenheilung (etwa sechs bis acht Wochen) abgewartet werden. Als absolute Kontraindikation gilt eine zu geringe Anzahl an Thrombozyten (< 20 000/μl). Patienten mit niedrigen Leukozytenwerten sollten wegen der Infektionsgefahr nicht schwimmen und ein niedriger Hämoglobin-Wert erfordert bei sportlicher Betätigung eine fachliche Aufsicht.

Quelle: Joachim Wiskemann et al., klinikarzt 2013; 42: 402-405