Medical Tribune
9. Aug. 2026Wie tief darf’s denn sein?

Aggressive Blutdrucksenkung beim akuten ischämischen Schlaganfall

Gemäss internationalen Leitlinien sollte der systolische Blutdruck bei einem akuten ischämischen Schlaganfall vor der Reperfusion auf unter 185 mmHg gesenkt werden. Doch es mehren sich Hinweise darauf, dass dieses Vorgehen nicht ungefährlich ist.

Woman controlling blood pressure with stethoscope and sleeve on arm of man
Kzenon/stock.adobe.com

Der akute ischämische Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache weltweit. Die Standardbehandlung besteht aus einer Reperfusionstherapie mit intravenöser Thrombolyse und endovaskulärer Thrombektomie.

Viele Betroffene leiden jedoch gleichzeitig unter Bluthochdruck. Um die Wahrscheinlichkeit einer sekundären ischämischen Schädigung, einer hämorrhagischen Transformation oder eines Hirnödems zu reduzieren, wird eine Senkung des systolischen Blutdrucks auf < 185 mmHg vor Beginn der Reperfusion empfohlen, danach auf < 180 mmHg.

In den letzten Jahren sind jedoch die Zweifel an dieser Empfehlung gewachsen. Ein Team um Prof. Dr. ­Lili­ ­Song­ von der Fudan-Universität in Shanghai hat nun die neuesten Erkenntnisse zu dieser strittigen Frage zusammengetragen.

Höhere Mortalität bei Ziel von < 140 mmHg prähospital

Die Basis bildeten unter anderem die Ergebnisse grosser klinischer Studien wie INTERACT4, MR-ASAP und RIGHT-2. Darin wurden verschiedene Methoden zur Blutdrucksenkung untersucht, darunter intravenöses Urapidil und transdermales Nitroglycerin. In der chinesischen INTERACT‑4‑Studie galt prähospital ein aggressives Blutdruckziel von < 140 mmHg, die Senkung erfolgte mit Urapidil i. v. Diese intensive Senkung vor Beginn der Reperfusion war mit einem erhöhten Risiko für Tod und Behinderung verbunden.

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