Medical Tribune
15. Juli 2026Mitunter ist eine zu rasche HbA1c-Senkung der Auslöser

Die vielen Gesichter der diabetischen Neuropathie

Nicht jede diabetische Neuropathie verläuft als klassische distale symmetrische Polyneuropathie. Auch atypische Formen wie therapieinduzierte, kompressive oder lumbosakrale Neuropathien kommen vor – und erfordern eine gezielte Diagnostik sowie unterschiedliche therapeutische Strategien.

Illustration des peripheren Nervensystems einer Frau.
Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Die therapieinduzierte Neuropathie betrifft meist die sensorischen Nerven an den oberen oder unteren Extremitäten. Die Small-Fiber-Neuropathie ist eine akute und sehr schmerzhafte Erkrankung, die innerhalb von Wochen in der Folge einer zu aggressiven Blutzuckerkontrolle auftritt.

Auch das autonome Nervensystem kann betroffen sein, was sich über gastrointestinale Beschwerden, Orthostase oder sexuelle Dysfunktion äussert. Bewegungseinschränkungen sind bei dieser Neuropathie untypisch. Die Inzidenz der Erkrankung liegt Schätzungen zufolge bei 10 % innerhalb von fünf Jahren, in 70 % der Fälle handelt es sich um Menschen mit Typ-2-Diabetes, schreiben Prof. Dr. Brett McCray, University of Michigan, Ann Arbor, und sein Autorenteam.

Symptome beginnen nach sechs bis acht Wochen

Da Betroffene gehäuft weitere mikrovaskuläre Komplikationen haben (Retinopathie, Nephropathie), nimmt man als pathophysiologischen Mechanismus eine mikrovaskuläre Ischämie an. Die therapieinduzierte Neuropathie kommt nur bei lange bestehender Hyperglykämie (≥ 6 Monate) vor. Gehäuft beobachtet man sie sechs bis acht Wochen nach Beginn intensiver Therapiephasen, die zu einem raschen Abfall des HbA1c-Werts geführt haben (> 2 % in 3 Monaten).

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