Schwangerschaft ab 40: Risiken erkennen und gezielt managen
Späte Mutterschaft geht mit etlichen Risiken für Mutter und Kind einher. Die intensivere Betreuung «später Mütter» beginnt daher bereits präkonzeptionell und geht in einigen Fällen auch weit über die Geburt hinaus, wie am FomF Update Refresher Innere Medizin zu hören war.

Was heisst es heutzutage, wenn von «älteren» Schwangeren die Rede ist? «Gerade in der Privatsprechstunde betreue ich in der Regel Patientinnen zwischen 38 und 50 Jahren», berichtete Prof. Dr. Olav Lapaire vom Universitätsspital Basel aus seinem Praxisalltag.
In der Literatur wird zwischen «advanced maternal age» (40 plus) und «very advanced maternal age» (45 plus) unterschieden. Bereits nach dem Alter von 35 Jahren sinkt die Fertilitätsrate dramatisch ab. «Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit 45 schwanger wird, selbst wenn sie sehr fit ist, liegt mit 5 % sehr niedrig», so Prof. Lapaire.
Dazu kommt, dass aufgrund von Chromosomenstörungen das Risiko eines Frühabortes mit zunehmendem Alter steigt. «Da hilft auch die Reproduktionsmedizin nur in beschränktem Ausmass.»
Präkonzeptionelle Beratung bei Vorerkrankungen
«Mir ist der Draht zu den Hausärzten sehr wichtig, weil wir Schwangere mit chronischen Vorerkrankungen oft gemeinsam betreuen», betonte Prof. Lapaire und wies auf die Möglichkeit der präkonzeptionellen Beratung am Universitätsspital Basel hin. Diese ist gerade bei Frauen im fortgeschrittenen Alter mit Kinderwunsch unbedingt notwendig, da mit steigendem Alter auch die Prävalenz von z. B. Hypertonie, Adipositas und Diabetes steigt.
Das wiederum geht mit einem erhöhten Risiko für schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen wie Präeklampsie und Gestationsdiabetes einher. Oftmals ist vor der geplanten Schwangerschaft eine Anpassung des Lebensstils bzw. eine Gewichtsabnahme notwendig, manchmal auch die medikamentöse Einstellung einer Hypertonie oder eines Diabetes. Potenziell teratogene Medikamente, etwa ACE-Hemmer, müssen vor Eintritt der Schwangerschaft umgestellt werden.
Eine weitere wichtige Massnahme zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft ist die Substitution von Folsäure – idealerweise mindestens drei Monate präkonzeptionell. Damit lässt sich das Risiko für Neuralrohrdefekte um 50 % senken.
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- FomF Allgemeine Innere Medizin Update Refresher, 27.–31. Januar 2026
- Expertenbrief Nr. 80 der SGGG: «First trimester screening for preeclampsia», 16.06.2023
