Medical Tribune
14. Apr. 2026Für wen sich die transarterielle periartikuläre Embolisation eignet

Arthrose-Therapie mit TAPE

Bei Gonarthrose können intraartikuläre Spritzen, Physiotherapie und Analgetika die Symptome häufig nicht ausreichend lindern. Zum nächsten therapeutischen Schritt, der Implantation einer Endoprothese, klafft jedoch eine grosse Lücke. Möglicherweise kann TAPE, die transarterielle periartikuläre Embolisation, diese schliessen. Ein Experte stellte die neue Therapieoption vor.

Ärztin analysiert Röntgenaufnahme eines Kniegelenks mit Arthrose.
Vadym/stock.adobe.com

«Arthrose wird zunehmend nicht nur als Knorpelverschleiss, sondern als komplexe entzündliche Erkrankung verstanden», erklärte Dr. Florian Nima Fleckenstein von der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Charité Berlin. Dabei kommt es infolge einer niedriggradigen Inflammation zu einer Neovaskularisation von Gelenkkapsel und periartikulären Strukturen. Die von schmerzleitenden Nervenfasern begleiteten pathologischen Gefässe führen zu einer Hyperperfusion mit chronischer Schmerzsensibilisierung.

Genau hier setzt die TAPE an – mit der selektiven, Katheter-basierten Embolisation der Gefässe. Unter Lokalanästhesie wird dazu ein Mikro­katheter zu den Arterien vorgeschoben, die das betroffene Gelenk versorgen. Unter Durchleuchtung identifizieren die Behandler die Hyperperfusion, um dann mit resorbierbaren Partikeln (Imipenem/Cilastatin) zu embolisieren. So werden die perivaskulären Nervenbündel ausgeschaltet und der Teufelskreis der niedriggradigen Inflammation durchbrochen. «Der Eingriff dauert 30–60 Minuten und erfordert lediglich eine kurze stationäre Überwachung», beschrieb Dr. Fleckenstein.

TAPE für «zu Gesunde» und «zu Kranke»

Die Methode eignet sich für Patienten, die noch «zu jung» oder «zu gesund» für ein künstliches Gelenk sind, ebenso wie für solche, die dafür «zu alt» oder «zu krank» sind. TAPE lässt sich mit anderen Therapien kombinieren und auch bei anhaltenden Schmerzen nach einer Operation einsetzen. Dr. Fleckenstein zeigte dies anhand eines Falls von «TAPE nach TEP» (Totalendoprothese).

Er präsentierte die Ergebnisse einer grossen retrospektiven Kohortenstudie (1) mit 444 Embolisationen bei 333 Patienten mit Gonarthrose (Kellgren II-IV).

Alle Teilnehmer hatten von der vorangegangenen, konservativen Therapie nicht ausreichend profitiert und klagten über starke Schmerzen, gemessen anhand der visuellen Analogskala (VAS, medianer Wert 7/10). Dokumentiert wurden Schmerz (VAS), verschiedene Dimensionen des Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Scores (KOOS) sowie Lebensqualität, Schmerz, Alltags- und sportliche Aktivität und das Auftreten von Komplikationen zu Beginn der Studie, nach 42 Tagen, drei, sechs und zwölf Monaten.

Schmerzlinderung bereits nach drei Monaten

In vielen Fällen fand sich bereits nach drei Monaten eine signifikante Schmerzlinderung; der mediane Schmerzscore sank von VAS 7 zu Beginn der Studie auf VAS 3 nach zwölf Monaten. Auch kam es zu einer anhaltenden und signifikanten Symptomverbesserung. So stieg zum Beispiel der KOOS-Lebensqualität-Subscore von 19 % auf 42 %. Es gab keine schweren Komplikationen. In einem Fall fand sich ein Psudoaneurysma der Femoralarterie, das durch eine prolongierte Kompression binnen 24 Stunden beseitigt werden konnte.

Bei 80 Patienten kam es direkt nach der TAPE zu passageren Hautverfärbungen. Dr. Fleckenstein ist davon überzeugt, dass sich die Methode in enger Zusammenarbeit zwischen interventioneller Radiologie und Orthopädie schon bald als fester Bestandteil eines multimodalen Konzepts in der Therapie der Gon­arthrose etablieren könnte.