Mit guter Kommunikation und Feingefühl gegen Gewalt im Gebärsaal
Die Geburt eines Kindes ist ein freudiges Ereignis – das aber häufig auch verherrlicht wird. Jede dritte Frau empfindet die Geburt als nicht schön, vielleicht sogar traumatisch, oder erlebt Gewalt. Dr. Tina Fischer, Leiterin Fachbereich Geburtshilfe und stellvertretende Chefärztin der Frauenklinik am Kantonsspital in St. Gallen, plädierte am Kongress für Praktische Gynäkologie und Geburtshilfe (KPGG) für eine bessere Kommunikation und mehr Feingefühl im Gebärsaal – auch in stressigen Situationen.

Gewalt in der Geburtshilfe und unter der Geburt hat viele Facetten. «Sie beinhaltet sämtliche Handlungen und Unterlassungen vom medizinischen Fachpersonal», erklärte Dr. Fischer. Ein in den sozialen Medien häufig genanntes Beispiel für physische Gewalt ist der Kristeller-Handgriff.
Bei dem Manöver drückt der Arzt oder die Hebamme synchron zur Wehe auf den Bauch der Frau, um die Austreibungsphase zu beschleunigen. Die Handlung kann Schmerzen verursachen und ist möglichst zu vermeiden.
Auch psychische und strukturelle Gewalt kommen vor. In stressigen Situationen werden Frauen angeschrien, beleidigt oder aufgefordert, endlich einmal ordentlich zu pressen, damit das Kind kommt. Fehlt Personal im Kreissaal, fühlen sich die Gebärenden schnell allein gelassen, wenn sie Hilfe brauchen. «All dies muss vermieden werden», betonte Dr. Fischer.