Medical Tribune
12. Apr. 2026Therapie im Wandel

MS: Neue Antikörper, Biosimilars und offene Fragen bei BTK-Inhibitoren

Ein neuer Anti-CD-20-Antikörper, ein Natalizumab-Biosimilar und die aktuelle Situation rund um die Brutontyrosinkinase-Inhibitoren: Auf diese zulassungsrelevanten Neuigkeiten konzentrierte sich Prof. Dr. Andrew Chan, Chefarzt der Klinik und Leiter des universitären ambulanten Neurozentrums, Inselspital – Universitätsspital Bern, in seinem Vortrag am Symposium MS State of the Art.

Beurteilung von MRT-Bildern bei Multipler Sklerose.
New Africa/stock.adobe.com

Seit Februar 2025 ist der Anti-CD20-Antikörper Ublituximab (Briumvi®) in der Schweiz in der Indikation schubförmige MS (RMS) mit aktiver Erkrankung zugelassen. Die CD-20-Antikörper unterscheiden sich in ihrer Sequenz (human/murin), in den Epitopeigenschaften und vor allem in ihrer Funktionalität. So gibt es verschiedene Wege, um B-Zellen zu depletieren, erklärte Prof. Chan.

Ublituximab zeigt ein besonders hohes Potenzial für antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität (ADCC), vermittelt über Fcγ-Rezeptoren. Bei Ublituximab wurden Kohlenhydratstrukturen am Antikörper gezielt modifiziert (sog. Glykoengineering), um die Bindung an Fcγ-Rezeptoren zu verstärken. Dadurch kann der Antikörper sowohl an hochaffine als auch an niedrigaffine Rezeptorvarianten binden.

«Ob dies klinisch bei MS funktionell relevant ist, wissen wir nicht», so der Experte. Hinweise gibt es bei der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD). In einer Studie hatten Patienten mit einer niedrigaffinen Rezeptorvariante unter Rituximab im Vergleich zu Patienten mit hochaffiner Rezeptorvariante ein deutlich höheres Rückfallrisiko. Möglicherweise lässt sich dies auch auf die MS übertragen.

Biosimilars mit Kostenvorteil

Ublituximab wurde in einem typischen Studiendesign untersucht: zunächst zwei Jahre gegen den aktiven Komparator Teriflunomid mit anschliessender Umstellung der Patienten auf Ublituximab. Die Ergebnisse ergaben eine klare Reduktion der Rückfallrate, die auch langfristig erhalten bleibt. Bei der über 24 Wochen bestätigten Behinderungsprogression zeigt sich eine Divergenz der Kurven allerdings nicht in den ersten zwei Jahren, sondern erst im gesamten Fünf-Jahres-Verlauf (1). Das könnte auf einen langfristigen Vorteil bei früher Therapie hindeuten, muss jedoch aufgrund des Open-Label-Designs vorsichtig interpretiert werden, so der Referent.

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