Diabetes bei psychisch Kranken
Patienten mit psychischen Erkrankungen tragen nicht nur ein höheres Diabetes-Risiko. Sie erhalten bei einer manifesten Erkrankung oft auch keine ausreichende medizinische Betreuung. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte internationale Studie.

Diabetes tritt bei psychisch Erkrankten bis zu dreimal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Diese Patienten haben oft mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren, bedingt durch schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen, was ihre Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Hinzu kommt: Manche Psychopharmaka fördern das metabolische Syndrom und Diabetes, während psychische Erkrankungen den Verlauf körperlicher Begleiterkrankungen verschlechtern.
Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Elias Wagner von der Universität Augsburg untersuchte, wie die Qualität des Diabetes-Managements dabei eine Rolle spielt. Ziel war es, Unterschiede im Monitoring und in der Behandlung von Diabetes-Patienten mit und ohne psychische Störungen anhand etablierter Qualitätsindikatoren (NICE diabetes monitoring indicators) systematisch zu erfassen.
Weniger Kontrollen, weniger moderne Therapien
Die Forscher analysierten 49 Beobachtungsstudien (42 Kohorten- und sieben Fall-Kontroll-Studien) mit über 5,5 Millionen Diabetes-Patienten, von denen etwa 15 % eine psychische Störung hatten. Sie betrachteten sowohl «psychische Erkrankungen jeglicher Art» als auch spezifische Diagnosen wie Depression, Schizophrenie, bipolare Störung, Substanzgebrauchsstörungen, Angststörungen und Demenz. Die Qualität der Versorgung wurde anhand zentraler Monitoring-Indikatoren (HbA1c, Lipide, Blutdruck, BMI, Raucherstatus, Augen-, Nieren- und Fussuntersuchungen) sowie medikamentöser Therapien bewertet.
Wagner E et al. Disparities in diabetes treatment and monitoring for people with and without mental disorders: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2026 Jan 5. doi: 10.1016/S2215-0366(25)00332-3.
