GLP-1-Rezeptoragonisten bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes
Adipositas und Typ-2-Diabetes im Kindesalter erhöhen das Risiko für Komorbiditäten wie Lebererkrankungen, Hypertonie und Dyslipidämie. Bisher war die Behandlung auf Metformin und Insulin beschränkt. GLP-1-Rezeptoragonisten erweitern die therapeutischen Möglichkeiten und werden immer häufiger eingesetzt. Eine Metaanalyse untersuchte die Sicherheit in der pädiatrischen Anwendung.

Eines von fünf Kindern unter 18 Jahren ist von Adipositas betroffen. Eine Therapieoption stellen Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) dar. Aber sind GLP-1-RA wirksam und sicher in der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen?
Systematische Analyse zur Sicherheit von GLP-1-RA bei Kindern
Mit dieser Frage befassten sich Pareeta Kotecha und Team vom College of Pharmacy, University of Florida, Gainesville, USA. In einer systematischen Übersichtsarbeit werteten sie Daten von 18 randomisierten, placebokontrollierten Studien (elf zu Adipositas, sechs zu Typ-2-Diabetes, eine zu Prädiabetes) mit insgesamt 1402 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6–17 Jahren aus. Untersucht wurden zugelassene GLP-1-RA wie Liraglutide, Semaglutide, Dulaglutide, Exenatid und Lixisenatid. Im Mittel waren die Patientinnen und Patienten 13,7 Jahre alt, rund 60 % waren weiblich. Die mediane Behandlungsdauer lag bei etwa einem halben Jahr, die Nachbeobachtung war häufig kürzer.
Trotz dieser Einschränkungen zeigen die gepoolten Daten ein klares Bild: GLP-1-Rezeptoragonisten senken HbA1c und Nüchternglukose signifikant, besonders bei Typ-2-Diabetes. Im Gesamtkollektiv sank HbA1c um rund 0,44 Prozentpunkte, bei Kindern mit Typ-2-Diabetes fast um 1 Prozentpunkt. Parallel nahmen Körpergewicht und BMI ab; in den Adipositasstudien lag die mittlere Gewichtsreduktion bei gut 4–5 kg, und der BMI fiel deutlich.
Auch kardiometabolische Parameter besserten sich. Der systolische Blutdruck sank im Mittel um knapp 3 mmHg, während der diastolische Blutdruck nur einen nicht signifikanten Trend nach unten zeigte. Das Lipidprofil veränderte sich insgesamt kaum und ohne klaren klinischen Effekt. Erste Daten deuten auf eine mögliche Besserung der obstruktiven Schlafapnoe hin, bleiben aber wegen kleiner Fallzahlen unsicher.
Keine Hinweise auf Depression oder Suizidalität
Auf der Sicherheitsseite standen gastrointestinale Nebenwirkungen im Vordergrund. Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen traten unter GLP-1-RA-Therapie deutlich häufiger auf, vor allem in den Adipositasstudien. Schwere Hypoglykämien waren selten, zeigten aber einen tendenziellen Anstieg. Hepatobiliäre Ereignisse und Infektionen waren insgesamt nicht signifikant erhöht.
Besondere Beachtung schenkte das Forscherteam den psychiatrischen Ereignissen.
Nur ein Teil der Studien setzte systematisch die Columbia-Suicide Severity Rating Scale ein. In den verfügbaren Daten fanden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen GLP-1-RA-Gruppe und Placebo hinsichtlich Depression oder suizidaler Gedanken und Verhaltensweisen; eher bestand ein, wenn auch statistisch nicht gesicherter, Trend zu niedrigeren Raten.
Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren unter GLP-1-RA tendenziell häufiger, ohne statistische Signifikanz. Insgesamt bestätigt die Arbeit das bekannte Nutzen-Risiko-Profil dieser Substanzen nun auch für die pädiatrische Population: deutliche Effekte auf Gewicht und glykämische Kontrolle stehen vor allem gastrointestinalen Beschwerden gegenüber.
Laut Autoren ergibt sich daraus für die Praxis: GLP-1-RA sind eine wirksame Option für ausgewählte Kinder und Jugendliche mit schwerer Adipositas oder Typ-2-Diabetes, sollten aber in strukturierte Programme mit Lebensstilintervention und enger Verlaufsbeobachtung eingebettet werden. Längere randomisierte Studien und Registerdaten sind nötig, um insbesondere das Langzeit-Sicherheitsprofil und psychiatrische Effekte verlässlich zu beurteilen.
Kotecha P et al. Efficacy and Safety of GLP-1 RAs in Children and Adolescents With Obesity or Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Pediatr. 2025; 179(12): 1308-1317. doi: 10.1001/jamapediatrics.2025.3243.
