Früher Schlaganfall nach komplizierter Schwangerschaft
Frauen haben im Gegensatz zu Männern ein höheres Risiko für früh auftretende Schlaganfälle (vor dem Alter von 50 Jahren). Forscher aus den Niederlanden haben nun untersucht, ob Schwangerschaftskomplikationen für Schlaganfälle prädisponieren – wenn dem so wäre, könnte das einen Teil des Geschlechtsunterschieds beim Insultrisiko erklären.

Diese Fragestellung untersuchte ein Team um Esmée Verburgt vom Universitätsklinikum Radboud in Nijmegen anhand von 358 Frauen mit erstmalig aufgetretenem ischämischem Schlaganfall im Alter von 18–49 Jahren und 714 Frauen ohne Schlaganfall.
Beide Gruppen hatten im Median zwei Schwangerschaften in der Vergangenheit. In Bezug auf das Alter bei der Entbindung und das Gestationsalter des Kindes bei der Geburt bestanden keine relevanten Unterschiede.
Schwangerschaft als kardiovaskulärer Stresstest
Die Hälfte der Frauen mit Schlaganfall hatte in ihrer Vorgeschichte eine oder mehrere Schwangerschaftskomplikationen. In der Kontrollgruppe war dies nur bei etwa einem Drittel der Fall. Besonders stark assoziiert mit einem späteren Insult waren eine Totgeburt, Präeklampsie, Schwangerschaftshypertonie in mehreren Schwangerschaften sowie ein zu niedriges Geburtsgewicht relativ zum Gestationsalter. Auch Frühgeburten und Gestationsdiabetes waren bei den Schlaganfallpatientinnen häufiger aufgetreten. Frauen mit «wahrscheinlich» durch Atherosklerose bedingten Schlaganfällen wiesen besonders häufig Komplikationen in vorangegangenen Schwangerschaften auf.
Eine Schwangerschaft könnte demnach als eine Art «Stresstest» für das kardiovaskuläre System betrachtet werden, bei dem sich eine subklinische Gefässdysfunktion erstmalig zeigt. Möglich ist aber auch, dass die Komplikationen selbst den atherosklerotischen Prozess beschleunigen.
Das Zeitintervall zwischen der ersten Schwangerschaft und dem Auftreten des Schlaganfalls betrug im Median 16 Jahre. Schwangerschaftskomplikationen sind damit nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig relevante Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, schlussfolgern die Autoren.
Im Median 16 Jahre zwischen Schwangerschaft und Insult
Das Team fordert, Schwangerschaftskomplikationen in der Praxis konsequent als Warnsignal zu berücksichtigen. Bisher empfehlen Leitlinien ein strukturiertes Risikomanagement nach Präeklampsie erst ab dem 50. Lebensjahr. Die Ergebnisse legen aber nahe, dass präventive Massnahmen schon früher sinnvoll wären, etwa Lebensstilveränderungen, kardiovaskuläre Kontrollen und eine engere ärztliche Betreuung der Betroffenen.
Verburgt E et al. History of Pregnancy Complications and the Risk of Ischemic Stroke in Young Women. Neurology 2025; 105: e214009; doi: 10.1212/WNL.0000000000214009