Medical Tribune
11. Jan. 2026Experten fordern Neudefinition, um pathophysiologischem Spektrum gerecht zu werden

Management der refraktären Angina in sechs Schritten

Obwohl zahlreiche nichtobstruktive Ursachen für eine refraktäre Angina bekannt sind, beschränkt sich die Definition auf Personen mit koronarer Herzkrankheit. Diese Achtlosigkeit führt zu inadäquaten Therapien und anhaltenden Beschwerden. Ein sechsstufiges Vorgehen soll die Lebensqualität von Betroffenen fortan verbessern.

Arzt spricht im Krankenhaus mit einem Patienten über Brustschmerzen während einer medizinischen Abklärung.
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Schätzungen zufolge liegt die Inzidenz der refraktären Angina pectoris in Europa bei 30.000 bis 50.000 Fällen pro Jahr. Diese Zahl bezieht sich jedoch auf die klassische Definition, wonach eine Obstruktion in den epikardialen Gefässen vorliegen muss.

Neue Definition rückt alternative Ischämiemechanismen in den Fokus

Es ist also von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, denn viele Betroffene leiden zwar unter ischämischen Beschwerden, weisen aber keine KHK auf. Vielmehr wird die Ischämie durch andere Mechanismen verursacht. Als Ursachen kommen beispielsweise koronare Mikrozirkulationsstörungen, Vasospasmen und Myokardbrücken infrage.

Auch bei KHK-Patienten können andere Trigger zu einer Angina führen. Wer sich auf die Obstruktion fokussiert, verpasst womöglich die Chance auf eine angemessene symptomlindernde Behandlung, heisst es in einem aktuellen State-of-the-Art-Review.

Das Autorenteam um Dr. Ranil de­ Silva­ vom Imperial College London schlägt daher eine Neudefinition der refraktären Angina vor. Demnach handelt es sich um einen chronischen Zustand mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten, der durch eine Myokardischämie aufgrund einer obstruktiven KHK und/oder anderer Mechanismen hervorgerufen wird. Weitere Kriterien umfassen den Ischämienachweis sowie das Fortbestehen der Symptome trotz medikamentöser und etwaiger revaskularisierender Therapien.

Betroffene sollten eine adäquate Behandlung erhalten, die auf die entsprechende Pathophysiologie abzielt. Die Forschenden empfehlen ein schrittweises Vorgehen.

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