Medical Tribune
19. Jan. 2026Mukolytikum und Antitussivum als sinnvolle Kombi Acetylcystein und Chlorphenamin statt Codein für den Erkältungshusten

Acetylcystein und Chlorphenamin statt Codein für den Erkältungshusten

Mit Beginn des nass-kalten Winterwetters füllen sich die Praxen wieder vermehrt mit Patienten mit Husten. Ursache ist meist ein «banaler» Atemwegsinfekt. Wie dieser behandelt wird und worauf speziell zu achten ist, erklärt Professor Dr. Daniel P. Franzen, Departementsvorsteher Innere Medizin, Chefarzt Innere Medizin und Co-Chefarzt Pneumologie Spital Uster.

Frau giesst Hustensirup auf einen Löffel
zinkevych/stock.adobe.com

Zu unterscheiden ist primär zwischen akutem (Dauer bis drei Wochen), subakutem (drei bis acht Wochen) und chronischem Husten (über acht Wochen). In einem zweiten Schritt müssen laut Prof. Franzen die Warnzeichen anamnestisch abgefragt werden. Dazu gehören etwa Hämo­ptysen, Ruhe-Dyspnoe, Heiserkeit, hohes Fieber, Zyanose, Zeichen einer Herzinsuffizienz und Intoxikation mit Inhalativa. «Fehlen Hinweise für eine einfache Erkältung sollte auch an eine Exazerbation einer anderen Erkrankung gedacht werden.»

Die häufigste Ursache für einen Erkältungshusten ist eine Virusinfektion. Bei 80 % der akuten Bronchitiden erfolgt dennoch eine Antibiotikaverschreibung (1). «Diese Praxis sollte uns nachdenklich machen», sagte Prof. Franzen. Er empfahl, die Patienten über den natürlichen Verlauf eines viralen Atemwegsinfektes und die normale Hustendauer von zwei Wochen oder länger aufzuklären. «Dies trägt oft dazu bei, dass der Druck auf eine Antibiotika-Verschreibung sinkt», so der Referent.

Keine Opiate bei einfachem Erkältungshusten

Die symptomatische Behandlung von akutem Husten ist punkto Evidenz, Wirksamkeit und Nebenwirkungen begrenzt. «Opiate sind zwar der Goldstandard einer antitussiven Therapie, sind aber aufgrund der Daten in der Indikation Erkältungshusten nicht empfohlen», so Prof. Franzen.
Eine Studie zeigte für Placebo eine gewisse, für das Codein-Analogon Dextrometorphan eine etwas stärkere, aber nicht signifikante, sowie für das Antihistaminikum Diphenhydramin eine signifikante Wirkung auf den Hustenreflex (2). In einer anderen Arbeit mit mehreren Histaminblockern beruhigte Chlorpheniramin die Hustenrezeptoren am stärksten. «Diese TRPV1- und TRPA-Rezeptoren im Bronchialepithel und im Hirnstamm werden von Codein nicht beeinflusst», erläuterte der Referent.

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