Medical Tribune
12. Sept. 2012 Herzerkrankungen beim sportmedizinischen Check-up aufgedecken

Bei Jugendlichen vorm Sportstart erst ein EKG schreiben?

Beim sportmedizinischen Check-up sollen u.a. Herzerkrankungen aufgedeckt werden. So möchte man kardial bedingte Todesfälle bei jungen Sportlern vermeiden, schreibt Dr. Wolfgang Lawrenz von der Klinik für Elektrophysiologie des Ev. Krankenhauses Dinslaken. Ob hierzu Familienanamnese und körperliche Untersuchung ausreichen, diskutieren Experten kontrovers.

EKG - in Europa bei der Sport-Untersuchung empfohlen

In Europa wird meist die Ableitung eines EKG empfohlen – während die American Heart Association dies nicht vorsieht. Schon bei Erwachsenen ist die Studienlage zu diesem Thema sehr spärlich – bei Kindern und Jugendlichen erst recht. Die europäischen Empfehlungen beruhen v.a. auf einer italienischen Beobachtungsstudie, in der nach Einführung sportmedizinischer Diagnostik mit EKG die Häufigkeit des plötzlichen Herztodes bei Sportlern abnahm.

KHK und Myokarditis oft nicht zu sehen Aber diese Daten sind nicht einfach übertragbar, moniert Dr. Lawrenz. So war der plötzliche Herztod in dieser Region vor Einführung der Sportuntersuchung siebenmal häufiger als in den USA. Der Check-up wurde in der Studie durch Sportmediziner vorgenommen – in Deutschland obliegt sie meist Haus- und Kinderärzten. Zudem lässt sich aus den italienischen Daten nicht entnehmen, welchen Anteil das EKG am beobachteten Effekt hatte.

Sportmedizinische Untersuchung nur für Selbstzahler

In Deutschland findet man bei unter 35-jährigen Sportlern relativ häufig KHK und Myokarditis als Ursachen eines plötzlichen Herztodes – beides Erkrankungen, bei denen man häufig keine charakteristischen Veränderungen im Ruhe-EKG findet. Ausserdem müssen die Eltern die sportmedizinische Untersuchung hierzulande aus eigener Tasche zahlen. Und die 20 € für ein Ruhe-EKG könnten gerade ärmere Familien abschrecken, ihr Kind zum Sport zu schicken. Deshalb sollte das Ruhe-EKG zurzeit nicht obligater Bestandteil der sportmedizinischen Untersuchung für Kinder sein, so das Fazit des Kollegen.

Quelle: Wolfgang Lawrenz, Dtsch Zeitschr Sportmed 2012; 63: 111-113