Myasthenia gravis wird oft nicht entdeckt!
Steht die Verdachtsdiagnose Myasthenia gravis bei einem Patienten im Raum, so muss man die Autoimmunerkrankung sorgfältig diagnostisch abklären. Denn die Myasthenie ist zwar in aller Regel gut zu behandeln, kann durchaus aber auch lebensbedrohlich verlaufen.
Myasthenie: Symptomatische Therapie oder Immunsuppression?
Das therapeutische Vorgehen hängt sodann vom Befallsmuster ab. Die okuläre Form lässt sich symptomatisch mit Pyridostigmin sowie Kortikoiden kontrollieren. Bei der generalisierten Myasthenie hingegen ist zusätzlich eine langfristige Immunsuppression indiziert, erklärte Professor Dr. Guido Stoll von der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg.
Besonderes Augenmerk ist auf die myasthenische Krise zu legen, die mit einer Letalität von 4,5 % behaftet ist. Betroffene Patienten brauchen wegen der lebensbedrohlichen Ateminsuffizienz und Schluckschwäche eine intensivmedizinische Behandlung, bis der Autoimmunprozess wieder kontrolliert ist.
Myasthenische Krise: Reintubation in 50 Prozent der Fälle!
Es braucht aber Zeit, bis die Therapie greift: In bis zu 50 % der Fälle wird nach der Extubation doch wieder eine Reintubation erforderlich, warnte Professor Dr. Walter Haupt von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Köln. Als Prädiktoren für eine frustrane Extubation nannte der Kollege auf der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) Atelektasen.
Prädiktoren für einen letalen Verlauf der Krise sind ein hohes Alter des Patienten und respiratorisches Versagen. Die myasthenische Krise entsteht regelhaft im Zusammenhang mit einem Infekt der oberen Luftwege. Dieser verstärkt nicht selten die myasthenische Symptomatik und führt zur Dysphagie mit nachfolgender Aspiration, die schliesslich eine Pneumonie auslöst.
Myasthenische Krise medikamenteninduziert?
Es müssen aber nicht immer die Atemwege sein, auch andere Infektionen können der myasthenischen Krise den Weg bereiten, so Prof. Haupt. Weitaus seltener sind Arzneimittelverordnungen oder Einnahmefehler die Ursache der Komplikation. Diese kann zum Beispiel provoziert werden durch eine insuffiziente Dosierung von Pyridostigmin, durch eine nicht adäquate Immunsuppression und durch die Myasthenie verstärkende Medikamente. Hierzu gehören verschiedene Antibiotika, Antikonvulsiva sowie Antiarrhythmika, aber auch Rheuma- und Grippemittel, nicht depolarisierende Muskelrelaxanzien, Narkotika und Psychopharmaka.
Nach überstandender Krise oft gute Regeneration
Trotz aller Gefahren, die mit einer myasthenischen Krise verbunden sind, ist eines beruhigend, unterstrich Prof. Haupt: "Nach Abklingen der Komplikation erlangen die Patienten in aller Regel wieder eine hohe Lebensqualität und sind oft wieder voll leistungsfähig."