Medical Tribune
8. Nov. 2026Viele Betroffene suchen erst spät ärztliche Hilfe

Hämorrhoiden und Analfissuren in der Schwangerschaft

Proktologische Erkrankungen während der Schwangerschaft sind häufig. Verantwortlich sind wahrscheinlich hormonelle, metabolische, immunologische und kardiovaskuläre Veränderungen. Ob die Schwangerschaft selbst Hämorrhoidalleiden auslöst oder bestehende Beschwerden verschlimmert, ist noch nicht vollständig geklärt.

Woman Suffering From Hemorrhoids And Thorny Cactus on chair
mady70/gettyimages

Bis zu 85 % der Schwangeren entwickeln Hämorrhoiden oder Analfissuren (1,2). Die wachsende Gebärmutter, das erhöhte Blutvolumen und der steigende Druck im Becken fördern eine venöse Stase im Hämorrhoidalplexus.

Dies begünstigt die Entstehung symptomatischer Hämorrhoiden und perianaler Thrombosen, wie PD Dr. Rosa B. Schmuck von der Charité Berlin in ihrer Arbeit erklärt (1). Ob Schwangerschaften generell Hämorrhoiden begünstigen, ist umstritten. Meist handelt es sich um eine frühe Krankheitsmanifestation. Fast alle Fälle bilden sich innerhalb von sechs bis acht Wochen nach der Geburt spontan zurück.

Ältere Schwangere sind häufiger betroffen

In einer prospektiven Kohortenstudie identifizierte ein irisches Forscherteam ein Alter über 35 Jahre als möglichen Risikofaktor (2). Ältere Schwangere berichteten signifikant häufiger über Hämorrhoiden oder Analfissuren als jüngere Frauen. 55 % der Teilnehmerinnen gaben an, dass ihre Symptome vor allem im dritten Trimenon auftraten. Das auffälligste Ergebnis war, dass die meisten Patientinnen ihre Beschwerden selbst behandeln, ohne ärztlichen Rat einzuholen. Zugrunde liegen möglicherweise Scham oder mangelnde Aufklärung über Hämorrhoiden und deren Behandlung.

Stadieneinteilung Hämorrhoiden

Die Hämorrhoidalvergrösserung wird (nach Goligher) in vier Stadien eingeteilt (1): Bei Grad I sind die Hämorrhoidalpolster nur im Inneren vergrössert und protoskopisch sichtbar. Die Beschwerden fehlen häufig oder sind gering. Ab Grad II können die vergrösserten Hämorrhoidalpolster beim Pressen oder beim Stuhlgang vorfallen (Prolaps). Anschliessend ziehen sie sich selbstständig zurück. Bei Grad III müssen sie manuell reponiert werden. Bei Grad IV liegt ein permanent fixierter, nicht mehr reponierbarer Prolaps vor.

Ein italienisches Forscherteam befragte über soziale Medien 133 Erstgebärende (3). Durch die Beschränkung auf Erstgebärende schlossen sie den möglichen Einfluss perianaler Erkrankungen infolge früherer Geburten aus. Insgesamt berichteten 51 % der Teilnehmerinnen über Hämorrhoidalsymptome während der Schwangerschaft, vor allem im zweiten und dritten Trimenon. Von den 68 symptomatischen Frauen hatten 54,4 % bereits vor der Schwangerschaft Beschwerden, im Vergleich zu 18,4 % der Frauen ohne aktuelle Symptome. Eine Vorgeschichte erhöhte das Risiko für Hämorrhoidalsymptome während der Schwangerschaft signifikant (OR 5,2; p < 0,001). Die Ergebnisse basieren jedoch auf einer retrospektiven Selbstbefragung; nur bei 35 der 68 betroffenen Frauen hatte eine medizinische Fachperson die Diagnose bestätigt.

Therapie erfolgt zumeist konservativ

Zunächst gilt es, die in den meisten Fällen zugrundeliegende Obstipation zu behandeln, die mehr als 60 % der Schwangeren betrifft. Ursachen hierfür sind hormonelle Veränderungen (Progesteronanstieg), Bewegungsmangel und die Einnahme von Eisenpräparaten. Starkes Pressen verstärkt wiederum Hämorrhoiden, Analfissuren und perianale Thrombosen. Zur Diagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und Proktoskopie. Bei Bedarf ergänzt eine Bildgebung die Abklärung (1). Die Therapie erfolgt primär konservativ z.B. mit lokalem Lidocain. Gängige proktologische Massnahmen gelten grundsätzlich auch während der Schwangerschaft und Stillzeit als sicher.

Komplizierte Geburten und ein hohes Geburtsgewicht begünstigen Beschwerden nach der Entbindung. Bei etwa 10 % der Geburten treten Hämorrhoidalprolaps oder Analthrombosen auf. Meist helfen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, lokale Kühlung, Entzündungshemmer und eine gezielte Stuhlregulation.