Medical Tribune
29. Okt. 2026Starker Prädiktor in der Primärprävention

Je höher hsCRP, desto grösser das kardiovaskuläre Risiko

hsCRP hat sich in einer grossen Kohortenstudie als starker Prädiktor von kardiovaskulären Ereignissen in der Primärprävention erwiesen. Die Autoren plädieren dafür, den Marker ins Risiko-Assessment von (noch) herzgesunden Personen zu integrieren.

Blood sample tube for hs-CRP (high sensitive – CRP) test, for th
Saiful52 – stock.adobe.com

Das Risiko-Assessment von Menschen ohne bekannte atherosklerotische Erkrankungen (ASCVD) beruht bislang auf den klassischen Risikofaktoren. Als Marker für Inflammation könnte das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) einen zusätzlichen Beitrag zur treffsicheren Quantifizierung des kardiovaskulären Risikos in der Primärprävention leisten.

Forscher um Dr. Berkan Kurt von der Uniklinik RWTH Aachen führten auf Basis der UK Biobank bei knapp 450 000 Probanden mittleren Alters ohne ASCVD wiederholt Messungen des hsCRP durch und beobachteten die Kohorte über mehr als ein Jahrzehnt. Ziel war es, den prognostischen Wert von hsCRP im Vergleich zu klassischen Risikofaktoren sowie seinen Zusatznutzen für etablierte Risikomodelle wie SCORE2 zu bewerten.

hsCRP und kardiovaskuläres Risiko

hsCRP > 3 mg/l vs. < 1 mg/l

adjustierte relative Risikoerhöhung für

  • MACE: 34 %
  • kardiovaskuläre Mortalität: 61 %
  • Gesamtmortalität: 54 %

hsCRP ≥ 2 mg/l vs. < 2 mg/l

adjustierte relative Risikoerhöhung für

  • MACE: 22 %
  • kardiovaskuläre Mortalität: 37 %
  • Gesamtmortalität: 34 %

Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass hsCRP ein unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse, kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität ist (s. Kasten). Mit steigenden hsCRP-Werten nimmt das Risiko stufenweise zu. Insbesondere höhere Konzentrationen sind mit deutlich erhöhten relativen Risiken verbunden, aber auch moderat erhöhte Werte bringen eine relevante Risikoerhöhung mit sich. Diese Zusammenhänge bleiben auch nach umfassender Anpassung für traditionelle Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Blutdruck, Lipidwerte, Diabetes und Rauchen bestehen.

Einmalige Messung reicht für Risikoeinschätzung

Bemerkenswert ist, dass hsCRP in seiner Vorhersagekraft mit klassischen Risikofaktoren vergleichbar oder ihnen teilweise sogar überlegen ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zeitliche Stabilität des Biomarkers. Wiederholte Messungen über mehrere Jahre zeigten nur geringe Veränderungen, sodass hsCRP als stabiler Parameter gesehen werden kann. Dies spricht dafür, dass eine einmalige Messung für die langfristige Risikoeinschätzung reicht.

Die Einbeziehung von hsCRP verbesserte darüber hinaus die Vorhersagekraft des SCORE2-Algorithmus und führte zu einer Nettoverbesserung der Reklassifizierung um insgesamt 14,1 % bei der Vorhersage von MACE.

Die Autoren sprechen sich dafür aus, entzündungsbezogene Risikofaktoren stärker zu berücksichtigen und hsCRP als ergänzenden Marker zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos in der Primärprävention einzusetzen.