Medical Tribune
21. Okt. 2026Adipöse Patienten können von GLP1-RA profitieren

Psoriasis-Arthritis: Das Gewicht gehört mit zur Therapie

Zwei Drittel der Patienten mit einer Psoriasis-Arthritis (PsA) sind übergewichtig oder adipös. Sie haben eine höhere Krankheitsaktivität und ein schlechteres Therapieansprechen. Die Behandlung zielt deshalb auf eine Kontrolle der Entzündung und eine Gewichtsreduktion. Neben den klassischen, in der Rheumatologie eingesetzten antientzündlichen Medikamenten können übergewichtige PsA-Patienten auch von einem GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) profitieren. Das hat zusätzlichen metabolischem und gesamtgesundheitlichen Nutzen.

Arthropathic psoriasis affecting the joints and nails of a man's hand. Psoriasis,a chronic skin disease in which itchy,scaly,red patches form on the skin. It can also affect the growth of the finger & toe nails,as seen here,and in a small percentage of cases it is accompanied by arthritis in the small joints of the fingers,toes and spine. Psoriasis is one of the commonest skin diseases,but its cau
Science Photo Library/John Radcliffe Hospital

Typisch für die immunvermittelte entzündliche Erkrankung ist das (häufig asymmetrische) Gelenkbefallsmuster. Auch Probleme mit der Wirbelsäule, den Sehnenansätzen (Enthesitis), Fingern oder Zehen (Daktylitis), der Haut und den Nägeln sind für die PsA charakteristisch (1).

«Eine PsA ist nicht nur eine Psoriasis plus Arthritis, sondern eine grössere Systemerkrankung, die rheumatologisch und internistisch grosse Bedeutung hat.» Das betonte PD Dr. Raphael Micheroli-Konuk, Leitender Arzt an der Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals Zürich, am Symposium Rheuma Top 2026. Gemäss Daten aus dem Schweizer SCQM-Register sind fast zwei Drittel der PsA-Patienten übergewichtig oder adipös – deutlich mehr als in der Allgemeinbevölkerung (2). Je nach Studie hat rund ein Drittel bis knapp die Hälfte der Patienten mit einer Schuppenflechten-Arthritis zusätzlich ein metabolisches Syndrom. Übergewicht und Adipositas sind ein Problem, da sie bei der PsA mit einer höheren Krankheitsaktivität und einem schlechteren Therapieansprechen einhergehen. Am besten belegt ist dies für TNF-Hemmer, für IL17-, IL23- und JAK-Inhibitoren sind die Daten weniger eindeutig (3).

Als Erklärungen werden diskutiert, dass bei Adipositas die Standarddosierung wegen des grösseren Verteilungsvolumens und der höheren Clearance der Biologika zu tieferen Wirkspiegeln führt. Zudem produziert das zusätzliche Fettgewebe möglicherweise auch mehr Entzündungsstoffe (Adipokine) als bei Normalgewichtigen. Dass die Dosis allein nicht alles erklärt, zeigen Studien mit Infliximab, das gewichtsadaptiert und bei Adipösen damit höher dosiert wird. «Trotz der höheren Dosierung aber war die Wirkung bei Adipösen weniger gut», sagte der Referent.

Tirzepatid verbessert Therapieansprechen

Profitieren können übergewichtige PsA-Patienten von einem GLP1-RA. In der randomisierten, offenen TOGETHER-PsA-Studie (271 Patienten mit BMI ≥ 30 kg/m2 oder ≥ 27 kg/m2 plus Begleiterkrankung) sprachen sie deutlich besser auf den IL17-Inhibitor Ixekizumab an, wenn sie zusätzlich den dualen GIP/GLP1-RA Tirzepatid bekommen hatten (4). Nach 36 Wochen erreichten unter der Kombination 33,5 % eine mindestens 50%ige Besserung (ACR50), unter Ixekizumab allein 20,4 %; ein Vorteil zeichnete sich bereits nach vier Wochen ab. Den primären Endpunkt – ACR50 plus mindestens 10 % Gewichtsabnahme – erreichten 31,7 % vs. 0,8 %.

«Von einem GLP1-RA haben übergewichtige PsA-Patienten in der Regel auch metabolisch und hinsichtlich der Gesamtgesundheit einen Nutzen», so der Rheumatologe. Hinweise gibt es ausserdem auf entzündungshemmende Effekte (z. B. eine CRP-Senkung) und eine Besserung der Fatigue. Das wäre laut PD Dr. Micheroli-Konuk ebenfalls ein Fortschritt. «Denn bislang konnte in der Rheumatologie mit den Medikamenten zwar die Entzündung behandelt werden, die Fatigue aber blieb oft bestehen.»

Adipositas ist ein modifizierbarer Risikofaktor

Einen grossen Stellenwert hat die Prävention. Rund 20–30 % der Patienten mit einer Psoriasis entwickeln im Verlauf auch eine Arthritis. Dabei geht die Schuppenflechte der PsA meist voraus, im Median um sieben bis acht Jahre (5,6). Hauptprädiktoren für die Weiterentwicklung sind Nagelbefall, Schuppenflechte oder PsA bei einem Verwandten ersten Grades, ein ausgedehnter Hautbefall, eine Beteiligung von Kopfhaut oder Gesässfalte, Gelenkschmerzen sowie ‒ als wichtigster modifizierbarer Risikofaktor ‒ die Adipositas.

«Bei kaum einer anderen rheumatologischen Erkrankung ist das Präventionspotenzial so gross wie bei der PsA», sagte PD Dr. Micheroli-Konuk. Die kürzlich am Kongress der GRAPPA (Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis) in Lissabon präsentierten Daten zeigen beispielsweise: Werden GLP1-RA bereits im Stadium der Schuppenflechte eingesetzt, entwickelt sich seltener eine PsA. In einer grossen retrospektiven Kohortenstudie war das PsA-Risiko unter GLP1-RA je nach Beobachtungsdauer um 26–43 % geringer (7).

Andere, ebenfalls retrospektive Studien liefern Hinweise, dass sich eine Psoriasis unter einer Biologika-Behandlung etwas weniger häufig zu einer PsA weiterentwickelt als mit einer lokalen Behandlung oder Phototherapie. Unter IL23- und IL12/23-Inhibitoren trat eine Arthritis zudem seltener auf als unter TNF-Hemmern, unter IL17-Inhibitoren hingegen nicht signifikant seltener (8). Da es sich um retrospektive Daten handelt, ist ein präventiver Effekt aber noch nicht bewiesen; eine randomisierte Präventionsstudie mit Guselkumab läuft.

Enthesitis als möglicher Zwischenschritt

«Eine Schuppenflechte entwickelt sich vermutlich oft über den Zwischenschritt der Enthesitis weiter zu einer PsA», so der Referent. Die EULAR (European Alliance of Associations for Rheumatology) beschreibt als Vorstufe eine «subklinische PsA» mit Gelenkschmerzen und/oder bildgebend nachweisbaren Entzündungen, etwa an Sehnenansätzen (9). Ob eine Enthesitis eine entzündliche oder mechanische Ursache hat, ob sie im Rahmen einer Psoriasis auftritt oder ob es sich um eine Enthesiopathie handelt, lässt sich oft erst im Verlauf beurteilen. Mechanisch bedingte Enthesiopathien werden etwa mit Physiotherapie, Stosswellentherapie oder Bestrahlung behandelt. Bei entzündlicher Enthesitis im Rahmen einer PsA kommen NSAR, bei ungenügendem Ansprechen Biologika (TNF-, IL17-, IL12/23- oder IL23-Hemmer) sowie JAK- oder PDE4-Hemmer zum Einsatz. Methotrexat zeigte in einer Studie mit Etanercept eine gewisse Wirkung auf Enthesitiden, war Etanercept insgesamt aber unterlegen (10).

Den gesamten Gesundheits-Status beurteilen

Bei PsA muss immer der gesamte Gesundheits-Status des Patienten beurteilt werden, lautete das Fazit des Referenten. Denn selbst wenn die PsA medikamentös gut behandelt sei, bestehe ein allfälliges metabolisches Syndrom weiter. «GLP1-RA sind kein Wundermittel. Sie können aber bei Übergewicht helfen, den gesamten Symptomkomplex der PsA therapeutisch besser anzugehen», betonte PD Dr. Micheroli-Konuk und erklärte ausserdem: Neben den klassischen in der Rheumatologie eingesetzten antientzündlich wirkenden Medikamenten gehören immer auch nichtpharmakologische Optionen wie Bewegung, Gewichtsreduktion und Rauchstopp zu einer guten Behandlung (11).