SwissDiab: Diabetes-Komplikationen mindern die Lebensqualität
Diabetes-bedingte Komplikationen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Wie stark dieser Effekt unter heutigen Therapiebedingungen ausfällt, untersuchten nun Forscher anhand des SwissDiab-Registers. Ihre Analyse zeigt nicht nur einen klaren Zusammenhang mit der Komplikationslast, sondern auch deutliche Unterschiede zwischen den Diabetes-Typen.

Frühere Studien zum Einfluss von Diabetes-Komplikationen auf die Lebensqualität basierten meist auf Querschnittsdaten und könnten deren Auswirkungen überschätzt haben. Longitudinale Analysen erlauben dagegen, Veränderungen innerhalb derselben Patienten über die Zeit zu erfassen.
Forscher um Dr. Giulia HoFer vom Universitätsspital Zürich untersuchten deshalb Daten von 896 Patienten aus dem SwissDiab-Register, darunter 422 mit Typ-1- und 474 mit Typ-2-Diabetes. Die Erfassung der Lebensqualität erfolgte über durchschnittlich 3,2 Jahre mittels Fragebögen (EQ-5D-3L) und einer visuellen Analogskala (VAS). Den Schweregrad der Komplikationen bestimmten die Wissenschaftler anhand des Adapted Diabetes Complications Severity Index (aDCSI), der u. a. kardiovaskuläre, renale, neurologische und vaskuläre Komplikationen berücksichtigt.
Unterschiede zwischen den Diabetes-Typen
Patienten mit Typ-2-Diabetes hatten insgesamt mehr und schwerere Komplikationen. Sie waren allerdings auch älter und hatten einen höheren BMI als Patienten mit Typ-1-Diabetes. Letztere lebten zwar bereits länger mit ihrer Erkrankung, schätzten ihre Lebensqualität jedoch besser ein: Ihr mittlerer EQ-5D-Nutzwert lag bei 0,96 vs. 0,88 bei Typ-2-Diabetes, auf der VAS bei 82,1 vs. 75,5 Punkten.
Unabhängig vom Diabetes-Typ zeigte sich: Je höher die Komplikationslast, desto geringer die Lebensqualität. Von den Patienten mit einem niedrigen aDCSI von 0–1 erreichten 68,4 % den bestmöglichen EQ-5D-Nutzwert von 1,0; bei einem sehr hohen aDCSI von 10–11 waren es nur noch 5,3 %. Ähnlich deutlich war der Unterschied bei der subjektiven Einschätzung des Gesundheitszustands: Einen VAS-Wert von mindestens 90 erreichten 45,6 % der Patienten mit niedriger, aber nur 5,3 % mit sehr hoher Komplikationslast. Mit zunehmender Komplikationsschwere traten v. a. Schmerzen, Einschränkungen der Mobilität sowie Probleme bei alltäglichen Aktivitäten häufiger auf. Eine hohe Komplikationslast bedeutete jedoch nicht, dass sich die Lebensqualität im weiteren Verlauf schneller verschlechterte.
Komplikationslast mindert die Lebensqualität
Bei Typ-2-Diabetes war der Schweregrad der Komplikationen unabhängig von Alter, Geschlecht, Diabetes-Dauer oder Insulin-Therapie mit einer niedrigeren Lebensqualität verbunden. Bei einem aDCSI von 10 lag der EQ-5D-Nutzwert um 0,11 Punkte und die VAS um 19,1 Punkte niedriger (im Vergleich zu einem aDCSI von 0). Auch Frauen und Patienten unter Insulin-Therapie wiesen eine geringere Lebensqualität auf. Von den einzelnen Komplikationen war nur der Myokardinfarkt signifikant mit einem niedrigeren EQ-5D-Nutzwert assoziiert.
Bei Typ-1-Diabetes zeigte sich der Einfluss der Komplikationslast v. a. in der subjektiven Bewertung auf der VAS: Bei einem aDCSI von 10 war sie um 24,56 Punkte niedriger (im Vergleich zu einem aDCSI von 0). Betrachtet man einzelne Komplikationen, waren Nierenversagen, Amputation und Schlaganfall signifikant mit niedrigeren VAS-Werten verbunden. Beim EQ-5D zeigte sich dagegen für keine einzelne schwere Komplikation ein signifikanter Zusammenhang.
Die Einbussen der Lebensqualität durch Diabetes-Komplikationen fielen geringer aus als in früheren Querschnittsstudien. Ebenfalls bemerkenswert: Weniger als 5 % der Patienten entwickelten während der Nachbeobachtung eine neue Komplikation. Dazu könnten moderne Therapien wie SGLT2-Inhibitoren, GLP1-Rezeptoragonisten und Hybrid-Closed-Loop-Systeme beigetragen haben. Allerdings stammte die Kohorte aus spezialisierten Schweizer Diabeteszentren mit gutem Zugang zu Prävention und modernen Therapien, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse möglicherweise einschränkt.
- Hofer G et al. Diabetes mellitus complications and their association with patient-reported outcome measures: a longitudinal study of the SwissDiab cohort. Diabetes Res Clin Pract. 2026; 236: 113263. doi: 10.1016/j.diabres.2026.113263.