Nicht jeder Prädiabetes ist gleich riskant
Prädiabetes – der beginnende Verlust der Blutzuckerkontrolle – ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Schätzungen zufolge ist eine solche Progression bei rund 70 % aller Erwachsenen mit diesem Befund zu erwarten. In einer Fall-Kontroll-Studie untersuchten Wissenschaftler nun, welche Betroffenen besonders gefährdet sind.

In den USA haben mittlerweile mehr als ein Drittel aller Erwachsenen und rund ein Fünftel aller Jugendlichen einen Prädiabetes, schreiben die Autoren um Dr. Tyler Dunn, Novo Nordisk Inc., New Jersey. Damit steigt für sie nicht nur das Risiko für einen Typ-2-Diabetes, sondern auch für Folgeerkrankungen. Eine frühzeitige Prävention durch Lebensstilinterventionen und gegebenenfalls medikamentösen Massnahmen könnte daher deutliche gesundheitliche Vorteile haben.
Die Forscher wollten nun weiter aufklären, welche Faktoren bei einem Prädiabetes das Risiko für einen Typ-2-Diabetes zusätzlich erhöhen. Dazu werteten sie Versicherungsdaten und verknüpfte elektronische Patientenakten von insgesamt 98 032 Erwachsenen mit Prädiabetes zwischen den Jahren 2016 und 2024 aus. 39 281 dieser Teilnehmer entwickelten später einen Typ-2-Diabetes. Ihnen wurden 58 751 Personen gegenübergestellt, bei denen während des Studienzeitraums keine Diabetes-Diagnose dokumentiert worden war.
Auch das Alter spielte eine Rolle
Bereits im einjährigen Beobachtungszeitraum vor der Diabetes-Diagnose wiesen die späteren Diabetes-Patienten eine deutlich höhere Komorbiditätslast auf als die Kontrollen. Besonders häufig fanden sich Adipositas (47,1 % vs. 31,9 %), kardiovaskuläre Erkrankungen (72,9 % vs. 60,4 %), Hypertonie (67,7 % vs. 54,0 %), Schlafstörungen (28,2 % vs. 19,5 %) und eine obstruktive Schlafapnoe (20,7 % vs. 12,4 %).
Auch das Alter spielte eine Rolle: Verglichen mit 18- bis 34-jährigen Personen mit Prädiabetes hatten solche zwischen 35 und 44 Jahren ein um 37 % höheres Risiko für eine Progression zu einem Typ-2-Diabetes, zwischen 45 und 54 Jahren ein um 49 % höheres Risiko, für 55- bis 64-Jährige um 33 %.
Als unabhängige Prädiktoren zeigten sich in der multivariaten Analyse Adipositas (OR 1,45), kardiovaskuläre Erkrankungen (OR 1,64), obstruktive Schlafapnoe (OR 1,36), metabolische Steatohepatitis oder metabolisch assoziierte Fettlebererkrankungen (MASH/MAFLD; OR 1,37) sowie Neuropathien (OR 1,19).
HbA1c und Begleiterkrankungen helfen bei der Risikostratifizierung
Bei Teilnehmern, bei denen die Laborwerte verfügbar waren, gab es zudem eine klare Assoziation zwischen dem Ausmass der Stoffwechselstörung und dem Progressionsrisiko. Bereits ein HbA1czwischen 5,7 und 6,0 % war mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine spätere Diabetes-Diagnose assoziiert (OR 2,17). Bei HbA1c-Werten zwischen 6,0 und 6,5 % stieg die OR sogar auf 10,78. Auch ein höherer BMI sowie erhöhte Triglyzerid-Spiegel gingen mit einer höheren Progressionswahrscheinlichkeit einher, hohe HDL-Cholesterin-Werte wirkten protektiv.
Während das Geschlecht insgesamt keine Assoziation mit dem Progressionsrisiko zeigte, liessen sich mehrere signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede unter den Risikofaktoren nachweisen. So gab es bei den späteren Diabetes-Fällen unter Männern häufiger eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung. Frauen, die später einen Typ-2-Diabetes entwickelten, litten dagegen häufiger an chronischen Schmerzen bzw. Fibromyalgie, Neuropathien, Arthrose und gastroösophagealer Refluxkrankheit.
Anhand klinischer Merkmale dürften sich Patienten mit Prädiabetes und hohem Risiko gut stratifizieren lassen, so das Fazit der Autoren. Besonders gefährdet seien Erwachsene zwischen 35 und 64 Jahren sowie Personen mit Adipositas, kardiovaskulären Erkrankungen, Schlafapnoe, MASH oder Neuropathien.
Dunn T et al. Real-world predictors of progression to type 2 diabetes among adults with prediabetes. Diabetes Obes Metab. 2026; 28(5): 3985–3996. doi: 10.1111/dom.70583.
