Medical Tribune
16. Okt. 2026Warum ein Screening von der Schwangerschaft bis ins erste Jahr gehört

Peripartale Depression: Hinschauen, nachfragen, handeln

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Komplikationen von Schwangerschaft und Wochenbett. Dennoch bleibt etwa jede zweite peripartale Depression unerkannt. Ein systematisches Screening über die gesamte Peripartalzeit könnte Betroffene früher in eine wirksame Behandlung bringen – und auch die Gesundheit ihrer Kinder schützen.

Sad and tired mother at home watching baby child
kieferpix – stock.adobe.com

Mutterwerden ist ein tiefgreifender körperlicher, psychischer und sozialer Übergang. Neue Rollen, Erwartungen an eine «glückliche» Mutterschaft und der Versuch, Familie, Partnerschaft, Beruf und Selbstfürsorge zu vereinbaren, können erheblichen Druck erzeugen. Zwischen idealisiertem Bild und erlebter Überforderung entstehen nicht selten Scham, Schuldgefühle und Isolation, erläuterte die Frauenärztin und Stillberaterin Dr. Marlene Weinzirl-Brandl, Gynäkologische Psychosozialmedizin, Frauenklinik, Universitätsspital Basel, am Basler Sommersymposium Gynäkologie.

Während der Babyblues meist zwischen dem dritten und spätestens dem 10. bis 14. Tag nach der Geburt auftritt und vorübergeht, kann eine peripartale Depression bereits in der Schwangerschaft beginnen und bis zwölf Monate postpartal manifest werden.

Jede fünfte Frau peripartal betroffen

In der Schweiz sind schätzungsweise 15–20 % der Frauen betroffen. Bezogen auf knapp 78 000 Geburten im Jahr 2025 entspricht das rund 13 000 Fällen jährlich. Bei Migrantinnen ist das Risiko noch höher. Etwa die Hälfte der Erkrankten benötigt eine Behandlung – zugleich bleibt ungefähr jede zweite Depression undiagnostiziert.

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