Medical Tribune
24. Sept. 2026Probleme besonders bei Penicillin V

Pharyngotonsillitis: Weniger Antibiotika, mehr Komplikationen?

Bei einer akuten Pharyngotonsillitis stellt sich häufig die Frage, ob eine antibiotische Therapie notwendig ist. In einer grossen Registerstudie untersuchten Wissenschaftler aus Schweden, ob eine zurückhaltendere Verschreibung mit einem höheren Risiko für infektiöse Komplikationen einhergeht.

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wkwimedia/James Heilman,MD

Forscher um Ailiana Santosa von der Universität Göteborg analysierten Daten aus Registern von Patienten aus zwei Regionen, die rund 40 % der schwedischen Bevölkerung umfassen.

In die Kohortenstudie gingen 295.972 Episoden einer Pharyngotonsillitis bei Patienten ab zwölf Jahren ein. Die Diagnosen stammten aus der hausärztlichen Versorgung zwischen Januar 2018 und Dezember 2023. Als neue Episode galt eine Pharyngotonsillitis nur, wenn in den vorausgehenden 180 Tagen keine entsprechende Diagnose dokumentiert war.

Als Antibiotika-Therapie werteten die Wissenschaftler eine innerhalb von zwei Tagen nach der Diagnose eingelöste Verordnung. Sie erfassten infektiöse Komplikationen während der folgenden 30 Tage. Dazu zählten Peritonsillarabszesse, retro- oder parapharyngeale Abszesse, nekrotisierende Fasziitis, invasive Erkrankungen durch Gruppe-A-Streptokokken und rheumatisches Fieber.

Verschreibungen nahmen während der Pandemie ab

Vor der Covid-19-Pandemie erhielten 53,4 % der Patienten ein Antibiotikum. Während der Pandemie sank dieser Anteil auf 39,9 %. Danach stieg er wieder auf 51,3 % an. Penicillin V blieb über den gesamten Untersuchungszeitraum das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Antibiotikum.

Komplikationen traten insgesamt selten auf. Bei Patienten unter einer Antibiotika-Therapie lag die Rate bei 1,75 %, ohne Antibiotika bei 0,43 %. Mit Abstand am häufigsten kam es zu einem Peritonsillarabszess. Andere Komplikationen waren sehr selten. Unter Penicillin V entwickelten 1,62 % der Behandelten eine Komplikation, unter anderen Antibiotika 2,87 %.

Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, soziodemografische Faktoren, Komorbiditäten, Zahl der Hausarztkontakte, Impfstatus und immunsuppressive Therapien war die Chance auf eine Komplikation bei unbehandelten Patienten geringer als bei antibiotisch Behandelten (adjustierte Odds Ratio [aOR] 0,24). Unter den antibiotisch behandelten Patienten waren andere Antibiotika gegenüber Penicillin V mit mehr Komplikationen assoziiert (aOR 1,84).

Beobachtungsstudie erlaubt keine Aussage zur Kausalität

Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich auf ein mögliches «Confounding by Indication» hin: Patienten mit schwererer Erkrankung oder höherem Ausgangsrisiko dürften häufiger Antibiotika erhalten haben. Die Beobachtungsstudie erlaubt deshalb keine Aussage zur Kausalität. Angaben zu klinischem Schweregrad und Gründen für die Verschreibung standen nicht zur Verfügung. Die Verwendung von Penicillin V als Erstlinientherapie erscheint nach Ansicht der Autoren angesichts der damit verbundenen niedrigeren Komplikationsrate gut begründet.