Medical Tribune
31. Aug. 2026Schweizer Experten empfehlen in der ersten Linie den zugelassenen Spezialextrakt

Mönchspfeffer wirkt auf alle PMS-Symptome

Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) kann Frauen stark belasten. Für die Erstlinien-Behandlung empfehlen Schweizer Experten Phytopharmaka mit Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer). Die Effekte sind dabei hauptsächlich auf seine Prolaktin-senkenden und dopaminergen Eigenschaften zurückzuführen, wie Dr. Irène Dingeldein, Frauenarztpraxis in Düdingen und Leitende Ärztin Kinder- und Jungendgynäkologie am Inselspital Bern, im Rahmen ihres Vortrags erklärte.

Was sich in jungen Jahren als PMS äussert, könnte später in einer frühen Menopause enden.
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Praktisch täglich behandeln Gynäkologinnen und Gynäkologen Frauen mit PMS von der Menarche bis zur Menopause. «Ein Viertel aller Frauen sind durch die Beschwerden im privaten oder beruflichen Leben eingeschränkt», erklärte Dr. Dingeldein. Das Syndrom tritt vornehmlich in der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase auf, in der Progesteron dominiert. Beim PMS besteht ein relativer Mangel am Gelbkörperhormon.

Progesteron beruhigt das Nervensystem, unterstützt den Schlaf und die Stimmung, wirkt entzündungshemmend und stabilisiert das Endometrium.

Ein Mangel kann zu den typischen PMS-Symptomen führen. Dazu gehören Kopfschmerzen, Depressionen, Angst, Zyklusstörungen, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und in der Menopause auch Hitzewallungen. Abzugrenzen ist das PMS von der PMDD (Premenstrual Disphoric Disorder) mit vorwiegend psychiatrischen Symptomen.

Dysregulation auf verschiedenen Ebenen

Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt. Im Vordergrund steht eine ZNS-Dysregulation im Zuge von zyklusbedingten Hormonschwankungen. Eine Rolle spielen zudem eine genetische Prädisposition, Stress, Lebensstil sowie Umwelt- und psychosoziale Faktoren.

Die Dysregulation entsteht auf verschiedenen Ebenen. «Während des PMS kann es zu einem relativen Serotoninmangel oder auch zu einem Serotoninüberschuss kommen», erläuterte die Referentin. Das Hormon steigert die Prolaktinsynthese in der Hypophyse und inhibiert die hemmende Wirkung von Dopamin auf die Prolaktinsekretion, was Hyperprolaktinämie und Mastodynie zur Folge haben kann.

Betroffen sind die GABA-A-Rezeptoren, die vor allem durch Allopregnanolon, einem Abbauprodukt des Progesterons, beeinflusst werden. Sie haben eine hemmende Wirkung auf die Neurotransmitter. «Gerät dieses System ins Wanken, kommt es zu den typischen PMS-Symptomen», so Dr. Dingeldein. Da beim Krankheitsbild die Sensitivität gegenüber Allopregnanolon verändert ist, lassen sich die Beschwerden nicht einfach mit einer Progesteron-Gabe behandeln.

Hauptwirkstoffe sind Dopaminagonisten

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der DSM-5-Kriterien. In der Schweiz besteht ein Konsenspapier mit einem Algorithmus für das praktische Vorgehen (1). Die Experten empfehlen für die Erstlinien-Behandlung des PMS Vitex agnus-castus, und zwar sowohl für Frauen im reproduktiven Alter als auch in der Perimenopause.

Die Wirkung des Mönchspfeffers ist hauptsächlich auf Diterpene zurückzuführen. Die Dopaminagonisten hemmen über die Bindung an D2-Rezeptoren die hypophysäre Prolaktinsekrektion. Dopamin hat eine positive Wirkung auf Motivation, Antrieb, Konzentration und Stimmung. Ein Mangel kann zu Brustpannen und Wassereinlagerungen führen. «Durch seine dopaminerge Wirkung trägt Vitex agnus-castus auch zur Stabilisierung des Progesteron-Östrogenverhältnisses bei, was den Zyklus reguliert», so Dr. Dingeldein. Nebenwirkungen sind selten, am häufigsten treten leichte Übelkeit und Kopfschmerzen auf.

Mehrere randomisierte und kontrollierte Studien belegen die Wirksamkeit des Mönchspfeffer-Spezialextraktes Ze 440. Im Placebovergleich verbesserten täglich 20 mg des Extrakts alle Symptome eines PMS und stabilisierten menstruelle Zyklusstörungen. Auch Dr. Dingeldein macht in ihrer Praxis oft sehr gute Erfahrungen mit Mönchspfeffer, wie sie erklärte. Sie gehöre seit Jahren zu den überzeugten Mönchspfeffer-Verschreiberinnen. Ist die Wirkung bei einer Patientin nicht stark genug, kann Vitex agnus-castus mit anderen Medikamenten (z.B. Psychopharmaka, Ovulationshemmer, Spironolacton) kombiniert werden.