Assistierte Reproduktion: Mehr Arztkontakte im Kindesalter
Weltweit entscheiden sich immer mehr Paare für eine medizinisch unterstützte Reproduktion – etwa In-vitro-Fertilisation, intrauterine Insemination oder hormonelle Ovulationsinduktion. Allein 2018 wurden rund 670 000 Kinder mithilfe solcher Technologien geboren. Neben dem offensichtlichen Erfolg dieser Methoden gibt es jedoch zunehmend Unklarheiten bezüglich etwaiger langfristiger gesundheitlicher Folgen für diese Kinder. So gibt es z.B. Hinweise auf Zusammenhänge mit bestimmten Erkrankungen wie Asthma oder kindlichen Verhaltensauffälligkeiten. Die Evidenz dazu ist jedoch begrenzt und teilweise widersprüchlich.

Eine australische Studie ging nun der Frage nach, ob Kinder, die durch medizinisch unterstützte Verfahren gezeugt wurden, langfristig häufiger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen oder öfter Medikamente verschrieben bekommen als natürlich gezeugte Kinder.
Mehr Frühgeburten nach unterstützter Reproduktion
Für die Studie nutzte das Forscherteam Daten aus der repräsentativen australischen Langzeitstudie «Growing up in Australia». Sie enthält umfassende Informationen zu Gesundheit, Wachstum und Entwicklung von australischen Kindern. Es bezog knapp 5000 Einlingskinder in die Analyse ein und verfolgte diese von der Geburt bis zum Alter von 16 Jahren nach. 246 dieser Kinder waren mit medizinischer Hilfe gezeugt worden.
Dabei fiel auf, dass letztere Kinder häufiger zu früh geboren und per Kaiserschnitt entbunden wurden. Ihre Eltern waren im Durchschnitt älter, die Mütter besser gebildet und das Haushaltseinkommen höher. Auf den Gesundheitszustand der Mutter während der Schwangerschaft hatte die Zeugungsart jedoch keinen Einfluss.
Häufigere Arztbesuche und mehr ADHS-Medikamente
Die Studie zeigte zudem: Kinder, die aus medizinisch unterstützter Reproduktion hervorgegangen waren, nutzten häufiger ambulante Gesundheitsleistungen und verursachen dadurch höhere Gesundheitskosten als natürlich gezeugte Kinder. Am höchsten waren die Kosten im ersten Lebensjahr, insgesamt lagen sie in fast allen Altersgruppen über denen der Vergleichsgruppe – besonders deutlich zwischen zwei und fünf Jahren. Hauptgrund waren häufigere Besuche bei Haus- und Fachärzten.
Ausserdem erhielten diese Kinder häufiger ADHS-Medikamente: Zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr lag die Wahrscheinlichkeit zwei- bis dreimal höher als bei natürlich gezeugten Gleichaltrigen. Jüngere Kinder, v.a. im Alter zwischen vier und sieben Jahren, bekamen zudem öfter Medikamente gegen psychische Erkrankungen (z.B. Antidepressiva). Für andere Medikamentengruppen, etwa gegen Asthma, Infektionen oder Hauterkrankungen, konnten die Wissenschaftler hingegen keine Unterschiede feststellen. Diese Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Geburtsbedingungen, Schwangerschaftsverlauf oder sozioökonomische Merkmale bestehen.
Steigende Anforderungen an das Gesundheitssystem
Die Ergebnisse unterstreichen damit, dass sich das öffentliche Gesundheitswesen auf einen steigenden Versorgungsbedarf und zusätzliche finanzielle Belastungen einstellen muss, wenn der Bedarf an medizinischen Reproduktionstechnologien weiterhin steigt. Damit werden gezielte Präventions- und Screeningprogramme für die betroffenen Kinder in Zukunft wichtiger, um mögliche gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen.
van Heusden A et al. Higher long-term healthcare utilization in children conceived through medically assisted reproduction: findings from a 16-year cohort study. Am J Obstet Gynecol. 2026:S0002-9378(26)00101-8. doi: 10.1016/j.ajog.2026.02.029