Medical Tribune
18. Aug. 2026Wissenslücken bei Diagnostik und Therapie

Herzinfarkt bei Frauen wird oft übersehen

Bei Frauen wird ein Herzinfarkt noch immer zu häufig übersehen. Obwohl sie andere klinische Besonderheiten aufweisen, orientieren sich Diagnostik und Therapie vielfach am «männlichen Standard». Ein aktuelles State-of-the-Art-Review zeigt nun, wo die grössten Versorgungslücken liegen und welche Konsequenzen sich daraus für die Praxis ergeben.

Menschliches Herz
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für rund ein Drittel aller Todesfälle bei Frauen verantwortlich und sind damit weltweit die häufigste Todesursache.

Dennoch waren Frauen in der Vergangenheit in kardiologischen Studien deutlich unterrepräsentiert. Mit zunehmender Forschung zeigt sich nun aber, dass sich die Symptomatik bei Frauen differenzierter darstellt als bisher angenommen.

Lange galt die Vorstellung, Frauen präsentierten sich überwiegend mit «atypischen» Herzinfarkt-Symptomen. Neuere Studien widerlegen diese Annahme. Rund 90 % der Frauen mit akutem Koronarsyndrom (ACS) berichten ebenfalls über typische Brustschmerzen oder ein Engegefühl im Thorax. Häufiger als Männer weisen sie jedoch zusätzliche Beschwerden auf, darunter Übelkeit, Dyspnoe, Müdigkeit, Palpitationen sowie Schmerzen im Kiefer, Nacken, Rücken oder Oberbauch.

Gleichzeitig ist der Anteil von Frauen höher, die ein ACS ganz ohne Brustschmerzen entwickeln. Hinzu kommt, dass Frauen ihre Beschwerden häufiger unterschätzen, später medizinische Hilfe suchen und bereits präklinisch seltener leitliniengerecht versorgt werden. Dadurch verlängert sich die Zeit bis zur Diagnosestellung und Revaskularisation erheblich.

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