Medical Tribune
21. Juli 2026144-Wochen-Analyse von ASK4FIRST

CML-Erstlinie: Asciminib bleibt Standard-TKI überlegen

Die langfristigen Ergebnisse der Phase-III-Studie ASC4FIRST bestätigen den nachhaltigen Nutzen von Asciminib bei neu diagnostizierter CML in chronischer Phase. Nach 144 Wochen zeigt der STAMP-Inhibitor nicht nur höhere molekulare Ansprechraten als etablierte Tyrosinkinase-Inhibitoren, sondern überzeugt auch durch eine günstige Verträglichkeit.

Mikroskopischer Blutausstrich bei chronischer myeloischer Leukämie (CML).
Saiful52/stock.adobe.com

Die Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Dennoch bleibt die langfristige Therapietreue eine Herausforderung, da viele Patientinnen und Patienten über Jahre oder sogar lebenslang behandelt werden müssen. Entsprechend gewinnen Wirksamkeit, Verträglichkeit und Lebensqualität zunehmend an Bedeutung.

Am ASCO-Jahreskongress 2026 wurden nun die 144-Wochen-Daten der randomisierten Phase-III-Studie ASC4FIRST vorgestellt. Sie zeigen, dass Asciminib seinen bereits nach 48 und 96 Wochen beobachteten Vorteil gegenüber den etablierten Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) weiter ausbauen konnte.

Molekulare Remissionen nehmen weiter zu

In ASC4FIRST wurden 405 erwachsene Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom-positiver CML in chronischer Phase entweder mit Asciminib oder einer vom Prüfarzt gewählten Standardtherapie behandelt. Als Vergleichstherapien kamen Imatinib sowie die Zweitgenerations-TKI Nilotinib, Dasatinib und Bosutinib zum Einsatz.

Nach 144 Wochen erreichten 77,1 % der mit Asciminib behandelten Patienten eine Major Molecular Response (MMR), verglichen mit 53,4 % unter den Standard-TKI. Damit lag die Differenz bei nahezu 24 Prozentpunkten zugunsten des neuartigen Wirkstoffs. Besonders ausgeprägt war der Vorteil gegenüber Imatinib: Hier wurden MMR-Raten von 79,2 % versus 47,1 % beobachtet. Auch gegenüber den Zweitgenerations-TKI behauptete sich Asciminib. Die MMR-Rate betrug nach drei Jahren 75,0 % gegenüber 59,8 % unter Nilotinib, Dasatinib oder Bosutinib. Der absolute Unterschied von 15,2 Prozentpunkten wurde als klinisch relevant eingestuft.

Mehr tiefe molekulare Remissionen

Neben der MMR wurden auch tiefere molekulare Remissionen analysiert. Die MR4-Rate lag unter Asciminib bei 55,7 % gegenüber 36,3 % unter den Standardtherapien. Eine MR4,5 erreichten 42,3 % versus 24,5 % der Patienten. Ähnliche Vorteile zeigten sich sowohl im Imatinib- als auch im Zweitgenerations-TKI-Vergleich.

Tiefe molekulare Remissionen gelten als wichtige Voraussetzung für spätere Strategien einer therapiefreien Remission und gewinnen deshalb in der modernen CML-Therapie zunehmend an Bedeutung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Langzeitdaten betrifft die Therapiepersistenz. Zum Zeitpunkt der Analyse befanden sich noch 78,6 % der mit Asciminib behandelten Patienten unter Therapie. In der Vergleichsgruppe mit Standardtherapie lag dieser Anteil lediglich bei 55,9 %. Im Imatinib-Stratum betrugen die entsprechenden Werte 81,2 % versus 50,0 %, gegenüber dem Zweitgenerations-TKI-Stratum 76,0 % versus 61,8 %. Die höhere Verbleibsrate dürfte sowohl auf die gute Wirksamkeit als auch auf die günstige Verträglichkeit zurückzuführen sein.

Neue Sicherheitssignale wurden auch nach fast drei Jahren Nachbeobachtung nicht beobachtet. Schwere unerwünschte Ereignisse (Grad ≥ 3) traten unter Asciminib bei 49,0 % der Patienten auf, verglichen mit 51,5 % unter Imatinib und 62,7 % unter den Zweitgenerations-TKI.

Weniger therapiebedingte Behandlungsabbrüche

Besonders relevant für die klinische Praxis erscheint die deutlich niedrigere Rate therapiebedingter Behandlungsabbrüche. Lediglich 6,0 % der Patienten unter Asciminib beendeten die Therapie aufgrund unerwünschter Ereignisse, während dies unter Imatinib bei 13,1 % und unter den Zweitgenerations-TKI bei 13,7 % der Fall war. Auch Dosisanpassungen oder Therapieunterbrechungen waren seltener erforderlich.