Zöliakie-Risiko durch Antibiotika?
Antibiotika können das Darmmikrobiom verändern und stehen im Verdacht, Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie zu begünstigen. Ob sie tatsächlich zur Krankheitsentstehung beitragen oder Betroffene nur häufiger medizinisch abgeklärt werden, untersuchte nun eine grosse schwedische Registerstudie.

Die Forscher analysierten die Daten von knapp 28 000 Patienten mit bioptisch gesicherter Zöliakie und verglichen sie mit mehr als 133 000 Personen aus der Allgemeinbevölkerung. Dabei berücksichtigten sie unter anderem Begleiterkrankungen, sozioökonomische Faktoren und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.
Ergänzend führten sie Geschwisteranalysen durch, um genetische und familiäre Einflüsse besser zu kontrollieren. Zudem untersuchten sie mehr als 225 000 Personen mit histologisch unauffälliger Dünndarmschleimhaut sowie über eine Million gematchte Kontrollpersonen, um den Einfluss eines möglichen Überwachungs- oder Diagnostikbias abzuschätzen.
Klare Dosis-Wirkungs-Beziehung
Über 69 % der Zöliakie-Patienten hatten bereits mindestens ein Jahr vor der Diagnosestellung Antibiotika erhalten. In der Allgemeinbevölkerung traf dies auf ca. 63 % zu. Insgesamt war damit eine vorausgegangene Antibiotika-Therapie mit einer um 24 % höheren Wahrscheinlichkeit für eine spätere Zöliakie-Diagnose assoziiert. Dieser Zusammenhang zeigte sich über alle untersuchten Subgruppen hinweg.
Zudem ergab sich eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Antibiotika verordnet worden waren, desto stärker war die Assoziation mit einer späteren Zöliakie-Diagnose. Im Vergleich mit Personen ohne Antibiotika-Verordnungen lag die adjustierte Odds Ratio (aOR) bei 1,21 für ein bis zwei und bei 1,35 für drei oder mehr Verordnungen. Ein ähnliches Muster zeigte sich bei den meisten untersuchten Antibiotikaklassen.
Auch im Geschwistervergleich blieb der Zusammenhang bestehen: Patienten mit Zöliakie hatten vor ihrer Diagnose häufiger Antibiotika erhalten als ihre nicht betroffenen Geschwister (70,0 % vs. 63,8 %; aOR 1,29). Zudem nahm die Assoziation mit der Zahl der Antibiotika-Verordnungen zu. Damit erscheint es unwahrscheinlich, dass die beobachteten Zusammenhänge allein durch gemeinsame genetische Voraussetzungen oder familiäre Umweltfaktoren erklärt werden können.
Daten sprechen für einen Surveillance Bias
Noch deutlicher fiel die Assoziation jedoch bei Personen mit histologisch unauffälliger Dünndarmschleimhaut aus. Sie hatten sogar um 50 % häufiger Antibiotika erhalten als Personen mit späterer Zöliakie-Diagnose. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei drei oder mehr früheren Antibiotika-Verordnungen (aOR 1,80). Das spricht dafür, dass die beobachtete Beziehung eher auf eine verstärkte medizinische Abklärung von Patienten mit gastrointestinalen Beschwerden als auf einen tatsächlichen krankheitsauslösenden Effekt der Antibiotika zurückzuführen ist.
Insgesamt liefern die Daten somit keine überzeugenden Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Antibiotika-Gebrauch und der Entstehung einer Zöliakie. Die Autoren betonen daher, dass eine medizinisch notwendige Antibiotika-Therapie nicht aus Sorge vor einer möglichen Zöliakie zurückgehalten werden sollte. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung eines verantwortungsvollen und indikationsgerechten Antibiotika-Einsatzes.
Ulnes M et al. Clin Gastroenterol Hepatol. 2026 Apr 28: S1542-3565(26)00283-1.
doi: 10.1016/j.cgh.2026.04.009.