Medical Tribune
21. Aug. 2026Neue Evidenz zu metabolischen Veränderungen aus einer Langzeitkohorte

Kein höheres Risiko für Diabetes bei früher Menopause

Frauen, die vor dem 45. Lebensjahr in die Menopause eintreten, haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Das gilt insbesondere dann, wenn sie gleichzeitig an Diabetes leiden. Aber entwickeln diese Frauen auch häufiger einen Diabetes? Eine aktuelle Kohortenstudie aus Spanien liefert darauf eine klare Antwort.

Seniorin misst ihren Blutzuckerspiegel mittels CGM.
Andrey Popov/stock.adobe.com

Die hormonelle Umstellung während der Menopause geht mit verschiedenen metabolischen Veränderungen einher, die theoretisch das Diabetesrisiko erhöhen könnten.

Dazu zählen unter anderem eine zunehmende Insulinresistenz sowie eine Zunahme des Körperfetts. Bisher fehlten jedoch überzeugende Beweise, dass eine frühe Menopause tatsächlich Diabetes begünstigt. Diese Wissenslücke hatten bereits die europäischen Leitlinien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen von 2021 hervorgehoben.

Vermuteter Zusammenhang nicht bestätigt

Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Team um Dr. Jose Antonio Quesada von der Miguel Hernández University in Elche, Spanien, das Diabetesrisiko von Frauen mit früher (40–45 Jahre) und vorzeitiger (unter 40 Jahre) Menopause. Die Forscher analysierten Daten von knapp 150.000 menopausalen Frauen aus der UK-Biobank. Rund 82 % der Frauen erreichten die Menopause nach dem 45. Lebensjahr, 14 % zwischen 40 und 45 Jahren und 4 % vor dem 40. Lebensjahr. Bei 5,5 % der Frauen war die Menopause chirurgisch herbeigeführt worden infolge einer beidseitigen Entfernung der Eierstöcke.

Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 14 Jahren entwickelten 6598 Frauen (4,5 %) Diabetes, meist Typ-2-Diabetes. Zunächst schien das Risiko mit einem früheren Menopausenalter zu steigen: Frauen mit früher (7,4 %) oder vorzeitiger (5,2 %) Menopause erkrankten häufiger als Frauen mit späterer Menopause (4,2 % bei Alter über 45 Jahren). Zudem war die Diabetesinzidenz bei Frauen mit chirurgisch herbeigeführter Menopause höher als bei Frauen mit natürlicher Menopause. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren – etwa Übergewicht, Rauchen, ungesunde Ernährung, Bluthochdruck oder familiärer Belastung – verschwand dieser Zusammenhang jedoch.

Entscheidend sind klassische Risikofaktoren

Damit zeigte sich: Weder das Alter bei Menopausenbeginn noch die Art der Menopause sind klinisch oder statistisch signifikant mit dem Auftreten von Diabetes assoziiert. Nach Ansicht der Autoren deuten die Ergebnisse vielmehr darauf hin, dass sich das erhöhte Erkrankungsrisiko vor allem durch die klassischen kardiometabolischen Risikofaktoren erklären lässt, die bei postmenopausalen Frauen häufiger auftreten. Die hormonelle Umstellung selbst scheint dabei nicht relevant zu sein.

Um die komplexen Wechselwirkungen zwischen hormonellen Veränderungen, kardiometabolischen Risikofaktoren und langfristigen Gesundheitsrisiken in dieser Lebensphase besser zu verstehen, sind weitere Studien notwendig.