Was bei Riechstörungen therapeutisch möglich ist
Riechstörungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sie können für die Betroffenen auch gefährlich werden. Je nach Ursache gibt es verschiedene Therapieoptionen, die von Riechtraining über Kortison-Sprays bis hin zur Injektion von plättchenreichem Plasma reichen.

Riechminderungen sind häufig: Etwa 20 % der Bevölkerung sind von einer Hyposmie betroffen, rund 5 % können kaum oder gar nichts mehr riechen (funktionelle Anosmie).
Die Riechleistung nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab, sodass mehr als 70 % der über 80-Jährigen als hyposmisch bezeichnet werden können, schreiben Prof. Dr. Antje Hähner und Prof. Dr. Thomas Hummel, Klinik für HNO-Heilkunde, Zentrum für Riechen und Schmecken des Universitätsklinikums Dresden.
Wenn Riechminderung gefährlich wird
Düfte und Gerüche nur noch eingeschränkt wahrnehmen zu können, kann die Lebensfreude der Betroffenen einschränken und sie in ihrem Alltag verunsichern oder gar gefährden, etwa mit Blick auf die persönliche Körperhygiene, verdorbene Lebensmittel oder Brände.
Derzeit sind etwa 200 Ursachen für Riechstörungen bekannt. Zwei Drittel der Fälle gehen auf sinunasale Störungen zurück, etwa chronische, allergische oder atrophische Rhinitiden, chronische Sinusitiden oder Polypen. Sie zeigen oft einen langsam progredienten Verlauf bei fluktuierendem Riechvermögen und können mit behinderter Nasenatmung einhergehen.
Am zweithäufigsten lassen sich Beeinträchtigungen der Geruchswahrnehmung postviral/postinfektiös beobachten, etwa nach Infektionen mit SARS-CoV-2 oder dem Influenzavirus, die vermutlich das Riechepithel schädigen. Die viral und postinfektiös bedingten Störungen treten akut und im Zusammenhang mit einem Infekt der oberen Luftwege auf.
Strukturiertes Riechtraining:
Wirksamkeit eindeutig belegt
Etwa 8 % der Riechstörungen gelten als idiopathisch, wobei etwa 10 % der davon Betroffenen im weiteren Verlauf eine neurodegenerative Erkrankung entwickeln. Seltener sind Geruchsstörungen traumatisch, toxisch, medikamentös oder durch eine neurodegenerative Erkrankung wie Parkinson-Syndrom oder Alzheimer-Demenz bedingt. In einigen Fällen sind Riechstörungen angeboren, wenn z. B. eine Hypo- oder Aplasie der Bulbi olfactorii vorliegt.
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Riechstörungen sind begrenzt. Bei sinunasalen Riechstörungen bessert sich das Problem unter antiinflammatorischer Behandlung recht zuverlässig. Zur längerfristigen Anwendung empfiehlt das Autorenteam topische Kortikoide in Form von Tropfen oder Sprays. Rhinochirurgische Eingriffe zur Verbesserung der Ventilation hätten hingegen meist nur einen geringen Effekt.
Für postvirale, posttraumatische und idiopathische Riechstörungen stehen derzeit keine spezifischen Therapien zur Verfügung. Ergebnisse einzelner Studien weisen aber darauf hin, dass folgende Substanzen und Massnahmen hilfreich sein könnten: Omega-3-Fettsäuren, intranasale Gabe von Vitamin A bzw. Natriumcitrat, Alpha-Liponsäure, kombinierte Applikation von Luteolin und Palmitoylethanolamid. Auch die Injektion von plättchenreichem Plasma in die Riechspalte könnte helfen. Eindeutig belegt ist die Wirksamkeit eines strukturierten Riechtrainings. Dabei sollen Betroffene über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten jeden Morgen und jeden Abend an vier verschiedenen Duftnoten schnuppern. Denn das olfaktorische System ist bis zu einem gewissen Grad regenerations- und lernfähig.
Eine symptomatische Therapie neurodegenerativer Erkrankungen führt leider nicht zu einer Erholung des assoziierten Riechdefizits. Eine Studie konnte jedoch zeigen, dass ein strukturiertes olfaktorisches Training bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom zumindest eine leichte Besserung der Riechfunktion bewirkt.
In schweren Fällen bleibt die Ablation des Riechepithels
Manche Personen berichten über eine Parosmie (veränderte Wahrnehmung eines vorhandenen Duftstoffs) oder über eine Phantosmie (Wahrnehmung eines nicht vorhandenen Duftstoffs). Bei schwerer Ausprägung kann eine wiederholte lokale Betäubung der Riechschleimhaut zu einer Linderung führen. In Einzelfällen wurde eine Ablation des Riechepithels vorgenommen.
Neben der Behandlung ist auch die Aufklärung der Betroffenen über entsprechende Gefahren wichtig, betont das Autorenteam. So sollten z. B. Lebensmittel regelmässig auf ihr Verfallsdatum überprüft und rechtzeitig entsorgt werden. Um die Brandgefahr zu minimieren, sind Rauchmelder mit akustischen und optischen Signalen zu installieren.
Hähner A, Hummel T. Riech- und Schmeckstörungen als Leitsymptom. Dtsch Med Wochenschr 2025; 150: 1374-1381; doi: 10.1055/a-2623-431