Medical Tribune
2. Juli 2026Nicht nur Antibiotika erhöhen Risiko

Welche Medikamente mit Clostridioides-Infektionen in Zusammenhang stehen

Clostridioides-difficile-Infektionen (CDI) treten häufig nach Veränderungen der Darm-Mikrobiota auf. Antibiotika gelten als wichtiger Risikofaktor. Eine Studie zeigt nun, dass auch andere Medikamenten-Gruppen mit einem erhöhten CDI-Risiko assoziiert sind.

Clostridioides difficile
Artur/stock.adobe.com

Um die Zusammenhänge zwischen häufig verordneten Arzneimitteln und dem Risiko für eine Infektion mit Clostridioides difficile zu untersuchen, führten Annelies Boven, Karolinska Institutet in Stockholm, und Kollegen eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie durch.

Die Analyse umfasste 42.921 CDI-Fälle und 355.159 nach Alter und Geschlecht gematchte Kontrollen aus nationalen schwedischen Registern.

Besonders Nitroimidazol-Derivate stören das Mikrobiom

Die Wissenschaftler werteten Verordnungen zwischen 2006 und 2019 aus. Sie berücksichtigten Antibiotika sowie nicht antibiotische Arzneimittel mit möglichem Einfluss auf das Mikrobiom. Als Exposition war mindestens eine abgegebene Verordnung innerhalb von 30 Tagen vor dem Indexdatum definiert.

Das mittlere Alter der Studienpopulation lag bei 71 Jahren in der Fallgruppe und bei 68 Jahren in der Kontrollgruppe. 91,6 % der Infektionen galten als nosokomial erworben.

Unter den Antibiotika zeigte sich das höchste CDI-Risiko für Lincosamide (adjustierte Odds Ratio ‹aOR› 31,4). Ebenfalls hohe Risiken fanden die Autoren für Penicillin-Kombinationen (aOR 19,8), Sulfonamid-Trimethoprim-Kombinationen (aOR 12,5) sowie andere Beta-Laktam-Antibiotika (aOR 11,1). Für Fluor­chinolone ergab sich eine aOR von 7,5.

Für Tetrazykline zeigte sich nach Adjustierung kein erhöhtes Risiko. Sehr hohe Odds Ratios beobachteten die Autoren für Nitroimidazol-Derivate und intestinale Antiinfektiva. Sie weisen darauf hin, dass diese Wirkstoffe auch zur CDI-Therapie eingesetzt werden und deshalb eine umgekehrte Kausalität möglich ist.

Lipidsenker und ASS mit niedrigerem Risiko assoziiert


Auch mehrere nicht antibiotische Arzneimittel-Gruppen standen mit einem erhöhten CDI-Risiko in Zusammenhang. Die stärkste Assoziation fand sich für Antidiarrhoika (aOR 7,3). Für Analgetika betrug die aOR 2,8, für Kortikosteroide 2,4 und für Protonenpumpeninhibitoren 1,75. Auch H2-Rezeptorantagonisten, Antidepressiva, Antiepileptika bzw. Psycholeptika, Betablocker und Medikamente gegen Obstipation zeigten erhöhte Risiken. Für NSAR ergab sich dagegen keine signifikante Assoziation. Lipidsenker und Acetylsalicylsäure standen sogar mit einem niedrigeren CDI-Risiko in Zusammenhang (aOR 0,79 und 0,76).

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines zurückhaltenden Einsatzes von Antibiotika und regelmässiger Medikationsüberprüfungen, so die Autoren. Ihrer Ansicht nach sollten besonders häufig verordnete Arzneimittel wie Analgetika, Kortikosteroide, Protonenpumpeninhibitoren und mehrere Antibiotika-Klassen bei der Risikoabwägung berücksichtigt werden. Weitere Studien sollten zukünftig den Einfluss einzelner Wirkstoffe unter Berücksichtigung von Grunderkrankungen, Begleitmedikation und möglicher Störfaktoren genauer untersuchen.