Antipsychotika: Zwischen Wirksamkeit und Nebenwirkungsmanagement
Antipsychotika gehören zu den wirksamsten Medikamenten in der Medizin. Durch eine individuell angepasste, mittels therapeutischem Drug Monitoring gesteuerte Therapie lassen sich Rückfälle verhindern und gleichzeitig langfristige Nebenwirkungen vermeiden. Ein Experte erklärte, worauf dabei zu achten ist.

Die antipsychotische Pharmakotherapie stellt eine zentrale Säule in der Behandlung schizophrener Störungen dar. Bezüglich der Number-Needed-to-Treat (NNT) gehören Antipsychotika zu den effektivsten Pharmaka. «Wir verfügen über Medikamente mit einer Wirksamkeit, die viele somatische Pharmaka deutlich übertrifft», betonte PD Dr. Michael Paulzen, Psychiater am Alexianer Zentrum für seelische Gesundheit Aachen/Gangelt, zu Beginn seines Vortrages.
Er betonte jedoch, dass «wir nicht die maximale Wirkung um jeden Preis, sondern eine individuell angemessene, sorgfältig überwachte Therapie anstreben sollten, um Nebenwirkungen zu verhindern und somit eine langfristig tragfähige Behandlung zu gewährleisten.»
Dieses Postulat impliziert eine Abkehr von historisch geprägten Hochdosisstrategien hin zu einer individualisierten, am Konzept der sogenannten minimalen effektiven Dosierungen orientierten Therapie. Der Begriff der «angemessenen Dosierung» ist dabei patientenbezogen zu verstehen mit einer kontinuierlichen Anpassung unter Berücksichtigung klinischer Effekte und pharmakokinetischer Parameter.
Mortalitätslücke bei Schizophrenie reduzieren
Patienten mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Spektrum weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine deutlich reduzierte Lebenserwartung auf. Diese Mortalitätslücke ist multifaktoriell bedingt und umfasst neben suizidalen Risiken insbesondere somatische Komorbiditäten sowie ungünstige Lebensstilfaktoren. «Unser Job als Psychiater ist es, diese Sterblichkeitslücke zu reduzieren», unterstrich PD Dr. Paulzen.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Berlin, 26.11.25
