Medical Tribune
17. Juni 2026Rötung, Papeln, Blasen, Tod Kutane Arzneimittelreaktionen rechtzeitig diagnostizieren und behandeln

Kutane Arzneimittelreaktionen rechtzeitig diagnostizieren und behandeln

Das Spektrum kutaner Arzneimittelreaktionen ist breit. Oft bilden sich nur harmlose Läsionen, die nach dem Absetzen des Wirkstoffs folgenlos verschwinden. Manchmal kommt es aber auch zu einem lebensbedrohlichen Verlauf. Um diesen zu verhindern, heisst es, die Alarmzeichen zu kennen und schnell zu reagieren.

Das makulopapulöse Exanthem ist die häufigste kutane Arzneimittelreaktion.
Aleksandr/stock.adobe.com

Kutane Arzneimittelreaktionen werden durch systemisch verabreichte Wirkstoffe verursacht. Am häufigsten ist das makulo­papulöse Exanthem, das sich mit ekzematösen, psoriatrischen oder lichenoiden Läsionen manifestiert. Typisch sind symmetrisch verteilte erythematöse Makulae und/oder Papulae am Stamm oder den Extremitäten.

Bei Erstkontakt bilden sich die Veränderungen meist nach fünf bis sieben Tagen. Zur maximalen Ausprägung kommt es typischerweise zwischen dem achten und zwölften Tag nach der Sensibilisierung. Bei erneutem Kontakt treten die Veränderungen sofort auf. Nach Absetzen des auslösenden Wirkstoffs genügt meist eine topische und/oder systemische Steroid-Therapie, so das Autorenteam um Jasmin­ Paster­ vom Universitätsklinikum Linz.

Erytheme und Plaques beim Baboon-Syndrom

Typisch für das fixe Arzneimittel­exanthem (FDE) sind solitäre, disseminierte oder generalisierte Läsionen. Rezidive nach erneuter Exposition bilden sich an der gleichen Stelle (in loco), die meisten Erkrankten haben max. fünf Herde. In der Regel zeigt sich das FDE 48 h nach Exposition, selten erst nach zwei Wochen. Nach Abheilung verbleibt meist eine postinflammatorische Hyperpigmentierung. Schwere Verläufe können mit grossflächigen Hautschäden einhergehen, wodurch eine Verwechslungsgefahr mit dem Stevens-Johnson-Symptom oder der toxischen epidermalen Nekrolyse besteht. Therapeutisch genügen meist topische Steroide.

Baboon-Syndrom wird ein medikamenteninduziertes symmetrisches Exanthem in den Achseln und Beugeseiten genannt, überwiegend betroffen sind Männer. Auch peri­genitale Läsionen sind möglich, diese gehen oft mit einer Beteiligung von Achseln, Ellbogen und Knien einher. Es dominieren Erytheme und Plaques, seltener sind Papeln und Pusteln, in schweren Fällen droht eine ausgeprägte Desquamation. Zu den häufigsten Auslöser gehören Hydroxyurea, Heparin, Allopurinol, Terbinafin und Amino­penicilline. Beschrieben wird auch eine Verbindung zu Covid-19 und dessen antiviraler Therapie.

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