Typ-1-Diabetes: Taillenumfang liefert wichtige Risikohinweise
Zentrale Adipositas ist ein Risikofaktor für verschiedene kardiometabolische Erkrankungen. Eine aktuelle finnische Studie bestätigt nun: Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes steigt das Risiko für eine koronare Herzkrankheit deutlich, wenn das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergrösse erhöht ist.

Viszerales Fett gilt als wichtiger Risikofaktor für zahlreiche Herz- und Stoffwechselerkrankungen. Für das Gesundheitsrisiko ist es oft aussagekräftiger als die gesamte Körperfettmenge. Erfassen lässt sie sich einfach über das Verhältnis von Taillenumfang zur Körpergrösse (Waist-to-Height Ratio, WHtR).
Ein Forscherteam um Dr. Erika Bezerra Parente von der Universität Helsinki untersuchte in einer aktuellen Studie, ob Patienten mit Typ-1-Diabetes und zentraler Adipositas langfristig ein höheres Risiko für eine KHK haben. Weil eine diabetische Nephropathie eng mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist, analysierten die Wissenschaftler den Zusammenhang zusätzlich nach dem Ausmass der Nierenschädigung.
Sie prüften hierfür Daten von mehr als 4300 Personen ohne vorbestehende KHK aus einer finnischen Studie zur diabetischen Nephropathie. Eine zentrale Adipositas lag definitionsgemäss bei einer WHtR ≥ 0,5 vor. Zu den Endpunkten gehörten ein akuter Myokardinfarkt, eine koronare Revaskularisation und Tod infolge einer KHK.
Mit zentraler Adipositas entwickelten 25 % eine KHK
Während der bis zu 19-jährigen Nachbeobachtungszeit entwickelten 15,3 % der Teilnehmer eine KHK. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit der Nierenfunktion: Mit der Schwere der Nierenerkrankung stieg das KHK-Risiko. So erkrankten etwa 10 % der Personen ohne Nierenschaden, aber rund 37 % der Patienten mit schwerer Nierenschädigung an KHK.
Besonders auffällig war der Unterschied zwischen Patienten mit und ohne zentrale Adipositas: Nach 20 Jahren bestand bei etwa 25 Prozent der Patienten mit zentraler Adipositas eine KHK, verglichen mit nur etwa 10 Prozent bei Personen ohne vermehrtes Bauchfett. Dieser Unterschied zeigte sich in allen Gruppen und war unabhängig vom Ausmass der Nierenerkrankung.
Deutlicher Zusammenhang ohne Nierenschaden
Auch in den statistischen Analysen blieb der Zusammenhang bestehen: Stieg die WHtR um 0,1, erhöhte sich das KHK-Risiko um etwa 20 Prozent. Das galt unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie HbA1c oder Blutdruck. Besonders deutlich war dieser Effekt bei Menschen ohne Nierenschaden, während er bei fortgeschrittener Nierenerkrankung schwächer wurde. Dies spricht dafür, dass die Nierenerkrankung den Effekt der zentralen Adipositas teilweise überdeckt.
Insulinresistenz beschleunigt
Gefässschädigung
Pathophysiologisch lässt sich der Zusammenhang zwischen zentraler Adipositas und KHK plausibel erklären: Viszerales Fettgewebe ist metabolisch aktiv und fördert entzündliche Prozesse, etwa durch vermehrte Zytokinfreisetzung (z. B. TNF-α). Diese tragen zur Atherosklerose und Thromboseneigung bei. Zusätzlich spielt Insulinresistenz eine Rolle, die auch bei Typ-1-Diabetes zunehmend an Bedeutung gewinnt und die Gefässschädigung beschleunigt. In der Studie wiesen Patienten mit KHK eine höhere Insulinresistenz auf, was diesen Mechanismus unterstützt.
Der Body-Mass-Index (BMI) wird zwar weiterhin häufig als Standardmass verwendet, zeigte in dieser Studie jedoch keinen vergleichbaren Zusammenhang mit dem KHK-Risiko. Damit bestätigen die Ergebnisse frühere Untersuchungen, nach denen das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergrösse enger mit verschiedenen Folgeerkrankungen verknüpft ist als der BMI.
Die Studie zeigt somit: Das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergrösse ist ein einfaches und leicht zugängliches Instrument, um eine zentrale Adipositas zu messen und könnte zukünftig die Risikoeinschätzung für KHK bei Patienten mit Typ-1-Diabetes verbessern, resümieren die Autoren. Besonders profitieren könnten Patienten, die keine manifeste Nephropathie aufweisen, und deshalb oft als Niedrigrisikogruppe gelten.
Parente EB et al. Waist-to-Height Ratio Is Associated With the Risk of Coronary Artery Disease in Type 1 Diabetes: A 19-Year Cohort Study. Diabetes Care. 2026: dc252811. doi: 10.2337/dc25-2811.