Katatonie: Eigenständiges Syndrom statt Schizophrenie-Subtyp
Mit der ICD-11 ist die Katatonie keine Unterform der Schizophrenie mehr, sondern ein eigenständiges klinisches Syndrom. Oft bleibt sie jedoch unerkannt oder wird nicht ausreichend beachtet. Ein Überblick über die diagnostischen Kriterien sowie bewährte und neue Therapieoptionen.

Die diagnostischen Kriterien für Katatonie wurden im DSM-5 erweitert. Sie sei dort ein «Specifier» für unterschiedliche Erkrankungen wie Schizophrenie und Major Depression, aber nicht mehr zwangsläufig ein Subtyp der Schizophrenie, erklärte Prof. Dr. Oliver Pogarell vom LMU Klinikum München.
Dank der ICD-11 bestehe nun sogar die Möglichkeit, eine Katatonie als eigenständiges Syndrom zu diagnostizieren. Dies sei hilfreich, da Katatonien auch bei stimmungs- und substanzbedingten Störungen, Entwicklungsstörungen, Enzephalitiden und bei Allgemeinerkrankungen beobachtet werden.
Nach psychischen Vorerkrankungen fragen
Die klinische Diagnostik beginnt mit der Beobachtung und Untersuchung. Im Zentrum steht der Nachweis katatoner Phänomene:
- Stupor oder psychomotorische Erregung
- Manierismus, Stereotypien, Grimassieren
- Mutismus, Negativismus, Echo-Phänomene, Ambitendenz (oft induzierbar)
- Katalepsie, Flexibilitas cerea, Rigidität
- begleitende autonome Störungen (u. a. Schwitzen, Tachykardie, Fieber)
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) Kongress 2025