Vitamin-D-Status als Prognosefaktor bei ambulant erworbenen Pneumonien
Vitamin D spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Immunsystems. Ein Mangel scheint nicht nur ambulant erworbene Pneumonien (community-acquired pneumonia, CAP) zu begünstigen. Er könnte auch das Risiko erhöhen, daran zu sterben. Darauf weisen die Resultate einer aktuellen Studie hin.

Ein dänisches Forscherteam untersuchte im Rahmen der «Surviving Pneumonia Study» den Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Status von Erwachsenen mit CAP bei Spitalaufnahme und der Mortalität.
Eingeschlossen wurden 514 erwachsene Patientinnen und Patienten, die zwischen 2019 und 2022 aufgrund einer CAP hospitalisiert wurden.
Vitamin-D-Mangel vor allem bei jüngeren Rauchern
Die Forscher teilten die Teilnehmer nach ihrem Vitamin-D-Status ein. Grundlage war die Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin D. Es gab drei Gruppen: ausreichende Versorgung (≥50nmol/l), insuffiziente Versorgung (25–<50nmol/l) und defiziente Versorgung (<25nmol/l).
Primärer Endpunkt war die 90-Tage-Mortalität, sekundäre Endpunkte waren die Mortalität während des Spitalaufenthalts sowie nach 30 und 180 Tagen. Die Forscher werteten die Daten mit logistischer Regression aus und adjustierten für relevante Kovariablen. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Komorbiditäten (Charlson Comorbidity Index), Pneumonieschwere (CURB-65), Raucherstatus und Body-Mass-Index. «Jüngere» und Raucher besonders häufig betroffen.
Von den eingeschlossenen Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 63 und 81 Jahren hatten 5,6% einen manifesten Vitamin-D-Mangel und 25,3% eine Vitamin-D-Insuffizienz. Der Rest war ausreichend mit Vitamin-D versorgt. Die überraschend gute Versorgung lässt sich damit erklären, dass die dänischen Gesundheitsbehörden seit einigen Jahren eine Vitamin-D-Supplementierung für ältere Menschen empfehlen. Personen mit Vitamin-D-Mangel waren im Schnitt 64 Jahre alt. Damit waren sie verhältnismässig jünger als Personen mit ausreichendem Vitamin-D-Status (75 Jahre) oder insuffizientem Vitamin-D-Status (71,5 Jahre). In der Gruppe mit Vitamin-D-Mangel war zudem der Anteil an Rauchern höher als 50%. Ausserdem hatten diese Personen häufiger einen Mangel an weiteren Mikronährstoffen, zum Beispiel an Vitamin B12 und Folat.
Vitamin-D-Mangel erhöhte das 90- und 180-Tage-Risiko
Nach multivariabler Adjustierung war ein Vitamin-D-Mangel signifikant mit einer erhöhten 90-Tage-Mortalität (OR 3,50) sowie einer erhöhten 180-Tage-Mortalität (OR 3,27) im Vergleich zu einem ausreichenden Vitamin-D-Status assoziiert. Für die Mortalität während des Spitalaufenthalts und nach 30 Tagen zeigte sich hingegen kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Zwischen insuffizientem und ausreichendem Vitamin-D-Status bestanden zu keinem Zeitpunkt signifikante Unterschiede in der Mortalität.
Erstaunlich war also, dass die Teilnehmer mit Vitamin-D-Mangel im Vergleich zu jenen mit ausreichendem Vitamin-D-Status jünger waren und ein höheres längerfristiges Mortalitätsrisiko trotz milderer Erkrankung bei Aufnahme aufwiesen. Die Autoren nehmen an, dass ein Vitamin-D-Mangel möglicherweise weniger ein direkter kausaler Faktor als vielmehr ein Marker für ungesunde Verhaltensweisen und eine insgesamt schlechtere Mikronährstoffversorgung sein könnte. Gleichzeitig sprechen die Ergebnisse gegen die Annahme, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel Ausdruck einer akuten Entzündungsreaktion sind, wie manchmal diskutiert wird, da die betroffenen Patienten bei Aufnahme vergleichsweise weniger schwer erkrankt waren und niedrigere CRP-Spiegel aufwiesen.
Interventionsstudien könnten sinnvoll sein
Die Studie zeigt auf, dass ein ausgeprägter Mangel an Vitamin D bei hospitalisierten Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie einer erhöhten mittel- und längerfristigen Mortalität verbunden ist, unabhängig von relevanten klinischen und demografischen Einflussfaktoren, so das Fazit der Autoren. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Vitamin-D-Status als prognostischen Marker und legen nahe, dass zukünftige Interventionsstudien zur gezielten Mikronährstoffsupplementierung bei akuten Infektionen wie CAP sinnvoll sein könnten.
Hegelund MH et al. Vitamin D Deficiency at Hospital Admission With Community-Acquired Pneumonia is Associated With Increased Risk of Mortality: A Prospective Cohort Study. Open Forum Infect Dis. 2025 Nov 19;12(12):ofaf706. doi: 10.1093/ofid/ofaf706.
