Parodontitis und Diabetes hängen zusammen
Eine von der World Health Organization geförderte Metaanalyse zeigt: Zwischen Mundgesundheit – insbesondere Parodontitis – und Diabetes besteht ein bidirektionaler Zusammenhang, der für Prävention und Management klinisch relevant ist.

Diabetes und orale Erkrankungen wie Karies, Parodontitis, (kompletter) Zahnverlust und auch Mundhöhlenkrebs weisen gemeinsame Risikofaktoren auf. Studien deuten auf eine mögliche Assoziation hin, bei der eine unzureichende Behandlung der einen Erkrankung die andere potenziell verschlimmert.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse analysierte 28 prospektive Studien aus 16 Ländern mit über 300.000 Teilnehmern. Ziel war es, Richtung und Stärke der Zusammenhänge zwischen Diabetes und oralen Erkrankungen zu klären. Das internationale Forscherteam berücksichtigte ausschliesslich prospektive Kohortenstudien, um zeitliche Abfolgen und potenzielle Kausalität besser beurteilen zu können.
Zahnlose Menschen entwickeln häufiger Diabetes
Der deutlichste Zusammenhang zeigte sich bei Parodontitis: Betroffene hatten ein um 19–26 % höheres Risiko, innerhalb von 5 bis 20 Jahren Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Umgekehrt war Diabetes mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Parodontitis assoziiert, allerdings mit weniger konsistenter Evidenz.
Auch Zahnverlust wies eine wechselseitige Verbindung auf: Diabetes erhöhte das Risiko für zukünftigen Zahnverlust, während zahnlose Menschen ein um etwa 30 % höheres Risiko hatten, später an Diabetes zu erkranken.
Für Karies lagen nur wenige und heterogene Studien vor, sodass keine quantitative Zusammenfassung möglich war. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass eine schlechte Blutzuckerkontrolle die Kariesprogression beschleunigen könnte. Gut eingestellte Diabetes-Patienten zeigten hingegen ähnliche Verläufe wie Menschen ohne Diabetes. Dieser Zusammenhang ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da eine schlechte Blutzuckerkontrolle oft auf ein insgesamt ungesundes Verhalten hinweist, das auch die Kariesbildung begünstigt.
Für orale Karzinome fehlten geeignete longitudinale Studien, was eine bedeutende Forschungslücke darstellt.
Die Ergebnisse zeigen eine wechselseitige Verbindung zwischen oraler Gesundheit und Diabetes, vermittelt durch gemeinsame Risikofaktoren sowie entzündliche und metabolische Mechanismen. Die Evidenz ist jedoch asymmetrisch: Der Einfluss oraler Erkrankungen – insbesondere Parodontitis und Zahnverlust – auf die Entstehung von Diabetes erscheint klarer als der umgekehrte Zusammenhang. Die Autoren fordern daher eine engere Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Primärversorgung und Diabetologie.
Botelho J et al. Oral health and diabetes: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health. 2026 Mar 19: S2468-2667(26)00045-9. doi: 10.1016/S2468-2667(26)00045-9
