Medical Tribune
16. Apr. 2026Bakterien als Bioreaktor und Therapeutikum

Das Mikrobiom verstehen

Das intestinale Mikrobiom ist weit mehr als eine Ansammlung von Bakterien. Es fungiert als Energielieferant, Vitamin-Fabrik und Schutzschild – und spielt eine zentrale Rolle bei Erkrankungen von Adipositas bis Krebs. Prof. Dr. med. Michael Scharl vom Universitätsspital Zürich erläuterte am pharmaDavos 2026, welche therapeutischen Ansätze heute bereits Realität sind.

3D-Visualisierung des Kolon-Mikrobioms vor neutralem Hintergrund – die komplexe Zusammensetzung der Darmflora im Fokus.
Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

in gesundes Mikrobiom besteht in Europa aus etwa 1000 verschiedenen Bakterienspezies. Bei Patienten mit chronischen Darmerkrankungen, Krebserkrankungen oder im Alter sinkt diese Diversität auf 600 bis 700 Spezies.

Diese Dysbiose ist mit zahlreichen Erkrankungen assoziiert – von gastrointestinalen Leiden über Adipositas und Typ-2-Diabetes bis hin zu kardiovaskulären Erkrankungen und Depressionen. Doch eine Assoziation bedeutet nicht automatisch Kausalität. Es bleibt die Frage vom «Huhn» und dem «Ei».

Antibiotika: Narben im Mikrobiom

Breitspektrum-Antibiotika wie Penicillin führen zu einer Reduktion nützlicher Bakterien und einer Zunahme pathogener Keime. Nach rund 20 Tagen zeigt sich ein signifikanter Rückgang der Bakterienspezies-Vielfalt.

Das Mikrobiom regeneriert sich zwar teilweise, aber nicht vollständig. «Jede Antibiotikakur hinterlässt eine Narbe», so Scharl. Nach wiederholten Gaben sinkt die Diversität auf etwa 95 Prozent des Ausgangswerts.

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