Medical Tribune
4. Mai 2026Konflikt um Diagnostik

Durchfall beim Kind: Zwischen Elternwunsch und Evidenz

Hat der Nachwuchs Durchfall, fordern Eltern oft ausführliche diagnostische Tests, die aus ärztlicher Sicht meist wenig Nutzen versprechen. Mit digitalen Assistenten, die bei der Entscheidungsfindung helfen, liessen sich solche Spannungen abmildern und die Versorgung der Kinder verbessern.

Junge liegt mit Bauchschmerzen auf dem Sofa, seine Mutter ist besorgt an seiner Seite.
Aliaksandr Marko/stock.adobe.com

Infektiöse Durchfallerkrankungen bei Kindern sind ein massives Gesundheitsproblem. Die Zahl der jährlichen Erkrankungsfälle beläuft sich weltweit auf 1,7 Milliarden, etwa 450 000 Kinder sterben daran. Da ist es nachvollziehbar, dass für Eltern und Behandler eine bestmögliche Versorgung der Erkrankten im Fokus steht.

Die Multiplex-PCR ermöglicht z. B. eine schnelle Erregeridentifikation. Allerdings rutscht man damit schnell in die Überdiagnostik, was einen unangemessenen Antibiotika-Einsatz und hohe Gesundheitskosten zur Folge haben kann, schreibt ein Team um Dr. Anna­ Jones­ von der University of Utah School of Medicine, Salt Lake City (1). Dem gegenüber steht das Risiko, eine Erkrankung nicht oder falsch zu behandeln, wenn Tests ausbleiben.

Klinische Entscheidungsunterstützungssysteme (Clinical Decision Support Tools, CDST) unterstützen bei Diagnostik und Therapiewahl, indem der Algorithmus die übermittelten Informationen mit seinen Trainings­daten abgleicht. In einer Studie interviewten die Forscher 44 Eltern (91 % Frauen), 11 Ärztinnen und 5 Ärzte zu ihren Erwartungen an die Versorgung von pädiatrischen Durchfall-Patienten – mit Fokus auf Diagnostik und dem Einsatz von CDST. Die Teilnehmer rekrutierten sie über Notfallpraxen.

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