Medical Tribune
7. Apr. 2026Besserer HbA1c dank App und Coaching

Was bringt digitales Diabetes-Management?

Deutsche Wissenschaftler untersuchten in einer aktuellen Studie, wie ein digitales Diabetes-Management mit Online-Coaching die HbA1c-Werte, die Lebensqualität und andere kardiometabolische Parameter beeinflusst.

Kontinuierliche Glukosemessung und App-basiertes Monitoring als Bestandteil eines digitalen Diabetes-Managements
Andrey Popov/stock.adobe.com

Trotz verfügbarer Therapieoptionen ist die Blutzuckereinstellung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes oft unzureichend. Nachhaltige, patientenzentrierte Strategien zur Förderung des Selbstmanagements sind gefragt. Ein Team um Marlo Verket von der Uniklinik RWTH Aachen prüfte, ob ein digitales Diabetes-Management-System (DMS) mit strukturiertem Online-Coaching die glykämische Kontrolle im Vergleich zur Standardversorgung verbessert.

Die Forscher führten eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie durch. Zwischen Oktober 2022 und Juni 2024 nahmen 114 erwachsene Patienten aus 15 spezialisierten Diabeteszentren teil. Die Probanden hatten ein HbA1c zwischen ≥ 7,5 % und < 10 %. Sie wurden per Zufall entweder der Interventionsgruppe mit DMS und Online-Coaching oder der Kontrollgruppe mit Standardbetreuung zugeteilt. Die Studie lief über 52 Wochen, der primäre Endpunkt war die Veränderung des HbA1c-Wertes nach 26 Wochen.

Digitale Erfassung und Coaching

Das DMS erfasste und visualisierte Blutzucker-, Blutdruck-, Gewichts- und Aktivitätsdaten automatisch über kompatible Geräte. Zusätzlich erhielten die Teilnehmer strukturierte Coaching-Sitzungen durch geschultes Personal (durchschnittlich zehn pro Person). Diese fanden initial wöchentlich, später in grösseren Abständen statt und fokussierten auf individuelle Bedürfnisse, Verhaltensreflexion, Zieldefinition und Strategien zur Verbesserung der Stoffwechseleinstellung.

Für 90 von den 114 Personen, die die Basis-Untersuchung abgeschlossen hatten, lagen auswertbare HbA1c-Daten nach 26 Wochen vor. In der Interventionsgruppe zeigte sich eine signifikant stärkere Reduktion des HbA1c-Wertes im Vergleich zur Kontrollgruppe (−0,9 Prozentpunkte vs. −0,5 Prozentpunkte; p = 0,044). Auch nach 52 Wochen blieb der Unterschied zwischen den Gruppen statistisch signifikant.

Hinsichtlich sekundärer Endpunkte ergaben sich jedoch keine signifikanten Unterschiede. Weder gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-12) noch diabetesbezogene Belastung (PAID) verbesserten sich signifikant. Ebenso zeigten sich keine relevanten Veränderungen bei Körpergewicht, Body-Mass-Index, Blutdruck, Lipid­parametern oder Herzfrequenz.

Bei Usability des DMS noch Luft nach oben

Die mittels System Usability Scale (SUS) erhobene Benutzerfreundlichkeit ergab mittlere SUS-Werte von 55,4 Punkten und lag damit unter dem etablierten Referenzwert von 68 Punkten, was auf Optimierungspotenzial hinsichtlich Usability und technischer Stabilität hinweist. Technische Probleme, insbesondere im Zusammenhang mit Software-Updates und Geräteanbindungen, führten teilweise zu eingeschränkter Nutzung und Drop-outs.

Trotz Limitationen (geringe Fallzahl sowie technische Herausforderungen) liefert die Studie wichtige Hinweise zur Wirksamkeit digital unterstützter Coaching-Konzepte im strukturierten Diabetes-Management – insbesondere im Hinblick auf die glykämische Kontrolle. Der beobachtete HbA1c-Rückgang sei klinisch relevant, da bereits eine Reduktion um 1 % mit einer verminderten Rate mikro- und makrovaskulärer Komplikationen assoziiert ist, resümieren die Autoren.