Essstörungen und Mortalität
Essstörungen sind mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Gemäss einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse gilt das sowohl für die gesamte als auch für die suizidbedingte Sterblichkeit.

Zu den Essstörungen zählen laut DSM-5 Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung, vermeidend-restriktive Essstörung und andere spezifizierte Fütterungs- und Essstörungen.
In seine Untersuchung schloss ein internationales Forscherteam 83 Studien aus 17 Ländern ein. So kamen die Daten von gut 300 000 Patienten mit Essstörungen und über 15 Mio. Kontrollen zusammen. 94,35 % waren Frauen, das durchschnittliche Alter lag bei 25,52 Jahren und das Follow-up betrug nahezu 12 Jahre im Schnitt.
Anorexia nervosa mit der höchsten Mortalität assoziiert
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung war das Sterberisiko bei Essstörungen signifikant erhöht (Risikoverhältnis [RR] 4,92; p < 0,001). Unter den einzelnen untersuchten Störungen stand die Anorexia nervosa in Verbindung mit dem höchsten Mortalitätsrisiko (RR 5,52). Auch das Risiko für suizidbedingte Mortalität war bei Essstörungen deutlich höher (RR 8,45; p < 0,001), wobei Anorexia nervosa erneut die höchste Rate zeigte (RR 9,86). Zudem stieg bei Betroffenen das Risiko für Todesfälle durch natürliche (RR 3,47) und unnatürliche Ursachen (RR 6,46) signifikant an (beide p < 0,001).
Ein niedrigerer durchschnittlicher Body-Mass-Index und eine kürzere Follow-up-Zeit standen mit einer erhöhten Gesamtmortalität in Verbindung. Männliches Geschlecht, jegliche psychiatrische Komorbidität und komorbider Substanzkonsum, Alkoholkonsum, Stimmungs- oder Persönlichkeitsstörungen waren bei jeder Essstörung signifikant mit einem höheren Gesamtmortalitätsrisiko assoziiert.
Die Autoren kommen aufgrund der Resultate ihrer Untersuchung zum Schluss, dass bei Patienten mit Essstörungen die Überwachung von körperlichen und psychiatrischen Komplikationen sowie des Suizidrisikos früh nach der Diagnose unbedingt erforderlich ist. Weitere Forschungsarbeiten sind nötig, um umsetzbare Massnahmen zu identifizieren, die das mit Essstörungen verbundene Mortalitätsrisiko senken können.
Semchishen SN et al. All-cause and cause-specific mortality risk in individuals with eating disorders: systematic review and meta-analysis of relative risk and aggravating or attenuating factors.
World Psychiatry. 2026; 25(1): 125–140. doi: 10.1002/wps.70014.