Hormontherapie plus Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie?
Verlängert eine Androgendeprivationstherapie (ADT) zusätzlich zur Radiotherapie nach radikaler Prostatektomie das Überleben? Eine bislang noch offene Frage. Die bisher grösste Metaanalyse zum Thema liefert nun differenzierte Antworten – und spricht gegen einen breiten Einsatz bei PSA-Werten ≤ 0,5 ng/ml.

Nach einer radikalen Prostatektomie kommt es bei 20-40 % der Patienten – abhängig vom Risikoprofil – zu einem biochemischen Rezidiv. In dieser Situation hat sich die postoperative Radiotherapie (PORT) etabliert. Diese wird heute überwiegend als frühe Salvage-Therapie bei steigenden PSA-Werten eingesetzt.
Die Kombination aus postoperativer Radiotherapie + ADT kommt eigentlich aus der definitiven Radiotherapie bei intakter Prostata. In diesem Setting hat sie auch einen Benefit beim Gesamtüberleben gezeigt. Dafür, ob das auch für die Situation nach radikaler Prostatektomie gilt, gab es bislang allerdings nur wenig Evidenz.
Ein Autorenteam um Dr. Amar U. Kishan (University of California) nahm dies zum Anlass, eine Metaanalyse aus den vorhandenen sechs randomisierten Phase-III-Studien durchzuführen. Für eine saubere Analyse berücksichtigten die Forscher die individuellen Daten von 6.057 Patienten. Alle hatten postoperativ eine Radiotherapie mit oder ohne zusätzliche Hormontherapie erhalten. Die Studien umfassten unterschiedliche Therapie-Epochen und Patientenkollektive; die mediane Nachbeobachtungszeit belief sich auf 9 Jahre. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben.
Kein signifikanter OS-Benefit durch ADT
Die Analyse zeigte keinen signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben (OS), wenn der Radiotherapie eine Hormontherapie beigefügt wurde. Zwar errechneten die Autoren hier eine Hazard Ratio von 0,87 zugunsten der ADT, signifikant fiel der Unterschied allerdings nicht aus (p=0,06). Nach zehn Jahren betrug die Überlebensrate 83,6 % unter alleiniger Radiotherapie und 84,3% mit zusätzlicher Hormontherapie.
Das ist laut den Autoren das bislang stärkste Argument gegen eine pauschale zusätzliche Hormontherapie nach Prostatektomie. Die hier analysierten Daten könnten den Effekt der ADT ausserdem noch überschätzen, da die eingeschlossenen Studien unterschiedliche Therapie-Epochen abbilden, was die Übertragbarkeit auf die heutige Praxis mit früher Salvage-Radiotherapie einschränken könnte.
PSA-Wert als entscheidender Faktor
Zudem legt die Metaanalyse offen, dass der PSA-Wert ein Prädiktor für einen Nutzen der zusätzlichen ADT sein könnte. Während Männer mit einem PSA ≤ 0,5 ng/ml keinen zusätzlichen Überlebensvorteil durch die Hormontherapie hatten, konnte bei einem PSA zwischen 0,51 und 1,0 ng/ml ein Rückgang des Mortalitätsrisikos beobachtet werden. Bei noch höheren PSA-Werten verdeutlichte sich dieser Effekt weiter.
Neben der Frage, ob die zusätzliche ADT überhaupt einen Nutzen bringt, untersuchten die Forscher auch den Einfluss der Dauer der Hormontherapie. Dabei zeigte sich, dass eine kurzzeitige ADT (4-6 Monate) zwar nicht mit einem Benefit beim Gesamt-, wohl aber beim metastasenfreien Überleben assoziiert war. Eine langfristige ADT (24 Monate) brachte vor allem bei höheren PSA Werten einen Vorteil beim metastasenfreien Überleben. Dieser übersetzte sich jedoch kaum auf das Gesamtüberleben. Auch ein direkter Vergleich der beiden Strategien ergab keinen klaren Unterschied im OS.
Genau schauen, wer profitiert!
Obwohl sich statistisch signifikante Unterschiede ergaben, blieb der absolute Nutzen für die Patienten insgesamt eher begrenzt, schlussfolgern die Forscher. Bei PSA-Werten über 1 ng/ml errechneten sie etwa eine Number Needed to Treat von 12 zur Verhinderung eines Todesfalls innerhalb von 10 Jahren.
Die Autoren sprechen sich gegen einen routinemässigen Einsatz aus und plädieren für eine stärkere Individualisierung. Insbesondere bei Patienten mit niedrigen PSA-Werten vor der PORT solle man auf die ADT verzichten – auch in Hinblick auf bekannte Nebenwirkungen wie metabolische Veränderungen, Fatigue oder sexuelle Dysfunktion.
Kishan AU et al. Hormone therapy use and duration with postoperative radiotherapy for recurrent prostate cancer: an individual patient data meta-analysis. Lancet. 2026 Mar 14;407(10533):1059-1071. doi: 10.1016/S0140-6736(26)00137-6.
