Bei Zwangsstörungen steht die Psychotherapie vor der Pharmakotherapie
Stundenlanges Händewaschen, hundertfache Kontrolle elektrischer Geräte oder alles siebenmal wiederholen – Zwangsstörungen können sich auf viele Arten manifestieren. Aber eines haben sie gemeinsam: Mit einer kognitiven Verhaltenstherapie lassen sie sich gut behandeln.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Exposition und Reaktionsbearbeitung erreicht in Studien hohe Effektstärken, berichtete Prof. Dr. Fritz Hohagen, Emeritus vom Zentrum für Integrative Psychiatrie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck.
Die Zwangsgedanken und -handlungen können dadurch bei bis zu drei Viertel der Betroffenen anhaltend reduziert oder komplett normalisiert werden. Dagegen ändert die Psychoanalyse nichts an den Symptomen, weshalb Zwangsstörungen lange als unbehandelbar galten.
Kognitive Vorbereitung auf die Exposition ist wichtig
Die konventionelle KVT mit Expositionstherapie erfolgt in 24 Stunden über mehrere Wochen. Sie beginnt mit einer Vorbereitungsphase über fünf Stunden mit Aufbau einer therapeutischen Beziehung, Klärung von Zielen und Motivation sowie Analyse des Verhaltens. Wichtig ist zudem die kognitive Vorbereitung auf die Expositionstherapie. Die Expositionsphase mit Exposition und Reaktionsmanagement umfasst acht Stunden. Vier weitere Stunden dienen der kognitiven Umstrukturierung (Selbstmanagement, Bearbeitung dysfunktionaler Annahmen). In den folgenden vier Stunden werden aufrechterhaltende Bedingungen bearbeitet, zwei Stunden leiten dann die Beendigung der Behandlung ein.
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) Kongress 2025