Medical Tribune
11. März 2026Mehr Sicherheit, weniger Bildgebung

Altersangepasste D-Dimere erleichtern den Ausschluss einer TVT

Bei einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) zählt eine schnelle und präzise Diagnose. Unbehandelt drohen lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenembolie. Der altersangepasste D-Dimer-Wert hat sich als bewährtes Mittel zum Ausschluss einer Lungenembolie etabliert. Eine aktuelle Studie untersuchte, ob sich diese Methode auch auf die TVT-Diagnostik übertragen lässt.

Die Kompressionssonografie der Beinvenen gilt als Standardverfahren zur Diagnose einer tiefen Venenthrombose.
Rabizo Anatolii/stock.adobe.com

Die TVT-Diagnostik ruht auf drei Säulen: der klinischen Einschätzung mittels Wells-Score (Vortestwahrscheinlichkeit), der D-Dimer-Bestimmung im Blut und der Kompressionssonografie der Beinvenen. Wird die TVT-Wahrscheinlichkeit als gering eingestuft, spielt der D-Dimer-Test eine Schlüsselrolle beim Ausschluss der Erkrankung. D-Dimere entstehen, wenn sich Blutgerinnsel auflösen, doch ihr Spiegel steigt auch ohne Thrombose mit dem Alter. Bei älteren Menschen führt dies oft zu falsch positiven Ergebnissen, wodurch der Test an Aussagekraft verliert.

Leitlinien zur Lungenembolie-Diagnostik empfehlen daher altersangepasste Grenzwerte. Ob dieser Ansatz auch bei der TVT-Diagnostik greift, war bislang unklar. Erste Hinweise deuteten jedoch darauf hin, dass ein altersangepasster Grenzwert auch hier mehr Patienten einen sicheren Ausschluss ermöglichen könnte.

Mehr Sicherheit, weniger Bildgebung

Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Grégoire Le Gal vom Ottawa Health Research Institute ging dieser Frage in einer grossen Studie nach. Zwischen Januar 2015 und Oktober 2022 beteiligten sich 27 Zentren in Belgien, Kanada, Frankreich und der Schweiz an einer prospektiven Management-Outcome-Studie. Über 3200 ambulante Patienten mit TVT-Verdacht wurden eingeschlossen. Die Ärzte folgten einer klaren Strategie: Zunächst schätzten sie die Vortestwahrscheinlichkeit mittels Wells-Score ein. Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit erhielten direkt eine Kompressionssonografie. Bei niedriger oder intermediärer Wahrscheinlichkeit bestimmten sie die D-Dimer-Werte und interpretierten diese anhand altersangepasster Grenzwerte. Für Patienten unter 50 Jahren galt ein Wert unter 500 µg/l als Ausschlusskriterium. Bei Patienten ab 50 Jahren lag der Grenzwert bei Lebensalter × 10 (in µg/l). War der D-Dimer-Test negativ, entfielen weitere Untersuchungen, und die Patienten wurden drei Monate klinisch nachbeobachtet.

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