Medical Tribune
24. Feb. 2026Oraler SERD reduziert invasive Rezidive um 30 %

Adjuvantes Giredestrant schlägt Standard-Endokrinotherapie beim HR+/HER2- eBC

In der Studie lidERA übertraf erstmals ein oraler SERD die Endokrintherapie bei HR+/HER2- frühem Brustkrebs in der Adjuvanz. Die Mehrheit der eingeschlossenen Patienten hatte ein hohes Rezidivrisiko.

Ärztin erläutert Mammografie-Befund im Beratungsgespräch mit einer Patientin.
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Seit der Einführung von Aromatasehemmern gab es bei der Endokrintherapie für frühen Brustkrebs (eBC) kaum Fortschritte.

In der lidERA-Breast-Cancer-Studie prüften Forscher den selektiven Östrogenrezeptor-Degrader (SERD) Giredestrant als adjuvante Monotherapie. Die Vergleichstherapie bestand aus der Standard-Endokrintherapie, meist einem Aromatasehemmer (AI) oder Tamoxifen.

Giredestrant, ein neuer oraler SERD, blockiert den Östrogenrezeptor vollständig – sowohl ligandenabhängig als auch -unabhängig. Laut Prof. Dr. Aditya Bardia von der University of California, Los Angeles, bietet dies einen potenziellen Vorteil gegenüber Aromatasehemmern, die nur die ligandenabhängige Aktivität hemmen.

Relatives Rezidivrisiko um 30 % gesenkt

Nach einer medianen Beobachtungszeit von 32 Monaten reduzierte Giredestrant das relative Risiko für ein invasives Rezidiv oder Tod um 30 % im Vergleich zur Standardtherapie (HR iDFS 0,70; p = 0,0014). Der Referent bezeichnete das Ergebnis als «statistisch signifikant und klinisch relevant». Nach 36 Monaten waren 92,4 % der Patienten im Giredestrant-Arm ohne invasives Ereignis, verglichen mit 89,6 % im Kontrollarm. Die Subgruppenanalyse bestätigte den Vorteil breit, auch wenn bei Patienten mit Stadium-I-Erkrankung nur wenige Ereignisse auftraten.

Weniger Fernmetastasen im Prüfarm …

Die Rate an Fernmetastasen war im Giredestrant-Arm deutlich niedriger. Das Risiko für eine distante Metastasierung sank um 31 % im Vergleich zur Standardtherapie (HR 0,69). Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgereift, zeigen aber laut Prof. Bardia einen positiven Trend (HR 0,79; p = 0,1863).

… und weniger Therapieabbrüche

Giredestrant erwies sich als gut verträglich. Die Häufigkeit von Arthralgien war in beiden Armen ähnlich (ca. 45 %, meist Grad 1–2). Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen traten selten auf, jedoch häufiger im Kontrollarm (1,6 % vs. 3,7 %). Bradykardien beschränkten sich in beiden Gruppen fast ausschliesslich auf Grad 1 (10,5 % vs. 3,1 %; kein Grad 3–4). Obwohl im Giredestrant-Arm mehr Dosisunterbrechungen nötig waren (12,7 % vs. 6,6 %), lag die Abbruchrate dort niedriger (5,3 % vs. 8,2 %). Prof. Bardia sieht in Giredestrant, das noch nicht zugelassen ist, einen potenziellen zukünftigen Standard in der adjuvanten Therapie von HR+/HER2- eBC.

Therapeutische Perspektiven

«Das sind die ersten positiven Daten zu einem oralen SERD im adjuvanten Setting», kommentierte Prof. Dr. Lisa Carey vom UNC Lineberger Comprehensive Cancer Center, Chapel Hill. Sie bewertete auch die mögliche Rolle der Substanz nach einer Zulassung: Wenn eine endokrinbasierte Therapie mit einem CDK4/6-Inhibitor nicht infrage kommt, könnte Giredestrant eine bevorzugte Option gegenüber AI oder Tamoxifen sein – besonders bei Hochrisikopatienten. Allerdings fehlen derzeit Daten zur Kombination mit einem CDK4/6-Inhibitor oder deren Einsatz nach einer solchen Therapie.