Wie nächtliches Licht das kardiovaskuläre Risiko erhöht
Gestörte zirkadiane Rhythmen gelten als kardiovaskulärer Risikofaktor. Eine prospektive Analyse der UK-Biobank zeigt, dass dies teilweise auf nächtliches Licht zurückzuführen ist – und damit potenziell modifizierbar.

Ein gleichbleibender Tag-Nacht-Rhythmus ist für die Herzgesundheit wichtig, da unter anderem Blutdruck, Herzfrequenz, Gefässfunktion, Gerinnung und Glukosetoleranz klar erkennbaren tageszeitlichen Schwankungen unterliegen, schreibt das Autorenteam um Dr. Daniel P. Windred von der australischen Flinders University.
Schon lange gibt es Hinweise darauf, dass Störungen der «inneren Uhr» metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigen können. Besonders eindeutig zeigt sich dieser Zusammenhang bei Schichtarbeit – diese stört den Tag-Nacht-Rhythmus gleich auf mehrere Weisen. Dazu gehört auch die nächtliche Lichtexposition.
Das zeigen unter anderem Studien, in denen die per Satellitenaufnahme gemessene Lichtverschmutzung in der Region direkt mit dem Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall der Einwohner korrelierte. Reale Lichtexposition und individuelle Risikofaktoren konnten mit dieser Technik allerdings nicht erfasst werden – und grosse Kohortenstudien waren bislang rar.
89.000 Probanden trugen Lichtmesser am Handgelenk
Jetzt liefert die prospektive Kohortenstudie auf Basis der UK-Biobank neue Evidenz. Die Forscher werteten darin Daten von knapp 89.000 Personen über 40 Jahren aus (medianes Alter 62,4 Jahre, 57 % Frauen), die für eine Woche einen Sensor am Handgelenk getragen hatten, der ihre individuelle Lichtbelastung erfasste.
Im Anschluss wurden die Teilnehmer im Median fast acht Jahre nachverfolgt. Kardiovaskuläre Ereignisse wurden den elektronischen Krankenakten des britischen Gesundheitssystems entnommen.
Je heller die Nächte, desto höher das Risiko
Dabei zeigte sich, dass nächtliches Licht direkt mit dem kardiovaskulären Krankheitsrisiko korrelierte. Personen in der höchsten Perzentile für nächtliche Lichtexposition hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für mehrere kardiovaskuläre Endpunkte, verglichen mit Personen in der untersten Perzentile. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei der Herzinsuffizienz und beim Myokardinfakt. So war das Risiko für eine Herzinsuffizienz bei nächtlich stark lichtexponierten Personen um rund 56 % erhöht, jenes für den Myokardinfarkt um rund 47 %.
Auch das Risiko für andere Endpunkte stieg an, etwa für koronare Herzkrankheit (HR 1,32), Vorhofflimmern (HR 1,32) und Schlaganfall (HR 1,28). Zumindest bei der koronaren Herzkrankheit zeigte sich zudem eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mit jeder Perzentilengruppe ab der 51. Perzentile nahm das Risiko zu. Bei Frauen fiel der Zusammenhang – insbesondere bei Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit – noch deutlicher aus als bei Männern. Zudem reagierten jüngere Teilnehmer empfindlicher auf nächtliches Licht als ältere.
Auch nach Adjustierung relevanter Risikofaktoren wie Chronotyp, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Schlafdauer, Schlafqualität, sozioökonomischer Status sowie genetische Prädisposition blieb dieses Ergebnis stabil.
Welche pathophysiologischen Mechanismen hinter der Beobachtung stecken, ist bis dato unklar. Insbesondere Tierversuche zeigen, dass sich sogar kurze nächtliche Lichtimpulse ungünstig auf Blutdruck, Blutzuckerkontrolle, Entzündungsmarker, Gerinnung und autonome Regulierung auswirken können. Auch die Melatoninsekretion könnte hier eine Rolle spielen, da sie die Lichtwahrnehmung mit physiologischen Rhythmen synchronisiert.
Windred DP et al. Light Exposure at Night and Cardiovascular Disease Incidence. JAMA Netw Open. 2025; 8(10): e2539031. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.39031.
