Medical Tribune
22. Feb. 2026Frauen nach programmiertem Kryotransfer besonders gefährdet

Höheres Thromboembolie-Risiko nach künstlicher Befruchtung

Immer mehr Frauen erfüllen sich ihren Kinderwunsch mithilfe assistierter Reproduktionstechnologien (ART). Zu deren langfristigen gesundheitlichen Folgen gibt es allerdings nur begrenzte Evidenz. Insbesondere, ob Frauen nach einer künstlichen Befruchtung mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko rechnen müssen, ist unklar. Dieser Frage widmete sich nun eine aktuelle Studie.

Beratung in der Kinderwunschambulanz: Ärztliches Gespräch zu Fertilität und möglichen Behandlungsoptionen.
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Bisher konnten Wissenschaftler keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer ART und kardiovaskulären Erkrankungen finden. Allerdings fehlten in früheren Studien oft wichtige Informationen, etwa zu erfolglosen Behandlungszyklen und unterschiedlichen ART-Verfahren wie frischen oder kryokonservierten Embryotransfers.

Hinweise deuten inzwischen darauf hin, dass insbesondere programmierte Kryozyklen, bei denen ein zuvor eingefrorener Embryo in eine hormonell künstlich vorbereitete Gebärmutter transferiert wird, mit einem erhöhten Risiko verbunden sein könnten. Huong Thu Nguyen, norwegisches Institut für Public Health, und Kollegen hatten daher das Ziel, erstmals systematisch zu untersuchen, wie Anzahl und Art der ART-Zyklen das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei diesen Frauen beeinflussen.

Vergleich von künstlicher Befruchtung mit und ohne Kryokonservierung

Dazu erfassten sie alle Frauen in Norwegen, die zwischen 1965 und 2000 geboren wurden und im Jahr 2009 noch lebten. Anhand der nationalen Gesundheitsregister werteten sie die Daten zu Kinderwunsch­behandlungen, Schwangerschaften, Erkrankungen und Medikamenten aus. Insgesamt schlossen sie über 1,6 Mio. Frauen in die Studie ein, mehr als 42 000 hatten sich dabei mindestens einer Kinderwunsch­behandlung unterzogen. Die meisten dieser Frauen durchliefen mehrere Behandlungszyklen, wobei ca. 70 % auf frische Zyklen und 30 % auf Kryozyklen entfielen. Die meisten Kryozyklen waren programmiert.

Die Forscher berücksichtigten wichtige Einflussfaktoren wie Alter, Bildung, Diabetes, ein polyzystisches Ovarialsyndrom, Endometriose und Anzahl der Geburten. Sie führten mehrere Analysen durch, wobei sie zunächst Frauen mit und ohne Kinderwunschbehandlung miteinander verglichen und danach Frauen mit mindestens einem ART-Zyklus als Referenz heranzogen. Zusätzlich untersuchten sie einen möglichen Unterschied von programmierten Kryozyklen zu anderen Behandlungsformen. Die Auswertung erfolgte mit statistischen Modellen, die Veränderungen über die Zeit berücksichtigen.

Risiko bei programmierten Kryozyklen besonders hoch

Das Ergebnis: Frauen, die sich einer ART unterzogen, wiesen ein mässig erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Dabei kam es fast ausschliesslich zu thromboembolischen Ereignissen wie eine Lungenembolie oder tiefe Venenthrombose. Ein klarer Dosis-Wirkungs-Zusammenhang für kardiovaskuläre Erkrankungen liess sich jedoch nicht erkennen: Erst Frauen mit vier oder mehr ART-Zyklen hatten ein deutlich höheres Risiko. Der Unterschied bestand damit vor allem zwischen den Frauen mit und ohne künstliche Fertilitätsbehandlung.

Subgruppenanalysen zeigten zudem, dass das Risiko für Thrombo­embolien v. a. bei programmierten Kryozyklen ausgeprägt war. Auffällig war ausserdem, dass die thromboembolischen Ereignisse überwiegend innerhalb der ersten 500 Tage nach einem ART-Zyklus auftraten.

Damit deuten die Daten darauf hin, dass sowohl die zugrundeliegende Infertilität als auch die wiederholte hormonelle Stimulation eine wesentliche Rolle spielen. Hohe Östrogenspiegel, ovarielle Über­stimulation, Mehrlingsschwangerschaften und Präeklampsie sind bekannte Risikofaktoren. Bei programmierten Zyklen scheint insbesondere das Fehlen des Gelbkörpers und die damit verbundene veränderte Gefässregulation zur Risikoerhöhung beizutragen.

Gezielte Nachsorge ist wichtig

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Frauen nach einer künstlichen Befruchtung von einer kardiovaskulären Nachsorge profitieren. Für Patientinnen mit zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Adipositas, polyzystischem Ovarialsyndrom, Thrombophilie oder Nikotinabusus ist eine besonders sorgfältige Beratung nötig. Die Autoren fordern ausserdem weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung, um diese Befunde zu bestätigen.