Medical Tribune
13. Feb. 2026Risiko steigt mit dem HbA1c-Wert

Pankreaskarzinome bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verhindern

Patienten mit Typ-2-Diabetes haben ein zweifach erhöhtes Risiko für ein Pankreaskarzinom. Wer es schafft, den Blutzucker langfristig optimal einzustellen, kann diese Gefahr offenbar deutlich reduzieren.

Blutzuckertest mit Messgerät – Monitoring bei Diabetes und metabolischem Syndrom.
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Schon lange ist bekannt, dass bei Typ-2-Diabetes das Risiko für ein Pankreaskarzinom erhöht ist. Ein Screening per Bildgebung wird jedoch aufgrund mangelnder Kosteneffektivität nicht allgemein, sondern nur für Hochrisiko-Patienten empfohlen. Daher benötigt man andere präventive Ansätze, schreibt ein Team um Jing­ Tong­ Tan­ von der Universität Hongkong.

Eine Option könnte die glykämische Kon­trolle sein: Sie kann hohe Blutzuckerwerte, Insulinüberschuss und chronische Entzündungen verringern, die alle Risikofaktoren für ein Pankreaskarzinom sind. Studien haben die Blutzuckerkontrolle als modifizierbaren Risikofaktor zwar untersucht, allerdings Veränderungen des Blutzuckerspiegels nicht berücksichtigt. Zudem fehlte in den Studien die Unterscheidung zwischen neu aufgetretenem und lange bestehendem Typ-2-Diabetes. Wie sich die langfristige Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes tatsächlich auf das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs auswirkt, ist bisher unklar.

Dieser Frage widmeten sich die Forscher nun in einer grossen retrospektiven Kohortenstudie. In einem landesweiten Gesundheitsregister identifizierten sie über 458 000 Erwachsene (48,8 % Frauen), bei denen von 2001 bis 2015 ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Als primärer Endpunkt galt das Auftreten eines Pankreaskarzinoms. Eine optimale Blutzuckerkontrolle definierte das Team als durchgängig zeitgewichtetes mittleres Hämoglobin A1c (HbA1c) < 7 %. Die meisten Patienten (95,5 %) erhielten mindestens ein Antidia­betikum, allen voran Metformin (82,2 %) und Sulfonylharnstoffe (60,2 %). Die häufigste Dia­betes-bezogene Begleiterkrankung war Bluthochdruck (12,9 %), gefolgt von ischämischer Herzkrankheit (5,0 %) und Schlaganfall (2,6 %).

Pankreaskrebs-Risiko um 57 % reduziert

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9,9 Jahren erkrankten 1382 Personen an einem Pankreaskarzinom. Ein gut eingestellter Blutzucker senkte das Risiko hierfür deutlich: Patienten mit durchweg optimal kontrolliertem HbA1c hatten ein um 57 % geringeres Risiko, ein optimaler Nüchtern­glukosewert (zeitgewichteter mittlerer Wert ≤ 7 mmol/l) reduzierte das Risiko um 29 %. Waren beide Werte perfekt kontrolliert, sank das Risiko für ein Pankreaskarzinom sogar um 61 %. Umgekehrt erhöhte jeder Anstieg des HbA1c um 1 % oder des Nüchternblutzuckers um 1 mmol/l das Krebs-Risiko um 46 % bzw. 14 %. Patienten mit gut eingestelltem Blutzucker profitierten auch im Hinblick auf die Sterblichkeit: Das Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu versterben, war um 65 % reduziert, die Gesamtmortalität sank um 17 %.

Die Ergebnisse sprechen für das Potenzial der optimalen Blutzuckerkontrolle als präventivem Ansatz. Das Autorenteam betont jedoch, dass dies durch weitere multizentrische Kohortenstudien bestätigt werden muss.